Hauptsache gesund? Die Illusion vom ewigen Leben.

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So heil wie die Welt manchmal ausschaut, ist sie nicht immer.
Foto: Oliver Mohr / pixelio.de

Immer wieder lesen oder hören wir, wie wichtig unser Lebensstil für die Gesundheit ist. Während man früher einen großen Teil des körperlichen und seelischen Wohlergehens der genetischen Disposition zuschrieb, gewinnt die Forschung zunehmend Hinweise darauf, wie bedeutend die Epigenetik ist. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass wir zwar Veranlagungen im Erbgut haben, diese aber wirksam werden können oder auch nicht.

Man stellt sich das vereinfacht vor wie einen Schalter, der auf („epi“) dem Gen sitzt. Steht der Schalter auf AN, wird die Gensequenz abgelesen und damit wirksam. Steht er auf OFF bleibt das Gen zwar wie es ist, wird aber nicht abgelesen. Wie wir leben hat Einfluss auf diesen Schalter. Und der Schalter hat seinerseits Einfluss auf unsere Lebensweise. Es besteht eine Wechselwirkung.

Die Medien vermitteln den Eindruck, man müsse nur gesund leben und schwupps schon seien die Epigene umgeschaltet und wir würden so alt wie Methusalem. Ausgewogene Ernährung, ein bisschen Sport, genug Entspannung und bloß nicht rauchen – das klingt doch gar nicht so schwer. Als ob wir alle die gleichen guten Voraussetzungen hätten, unser Leben nach Belieben zu steuern. Das ist leider nicht so.

Willkommener Irrglaube

Viele von uns halten eine gemeinsame Illusion aufrecht. Sobald wir eingehender darüber nachdenken, wird uns schnell klar, dass Menschen auch in Deutschland unter unglücklichen Umständen aufwachsen, die ihre Resilienz, ihr Erleben von Selbstwirksamkeit und ihre seelische Gesundheit massiv beeinträchtigen. Und wenn wir dann die Erkenntnisse aus der Epigenetik ernstnehmen, wird uns zusätzlich bewusst, dass wir auch von unseren Ahnen Belastungen – sowohl genetische als auch epigenetische – in uns tragen, um die wir nicht gebeten haben. Die Belastungen sind individuell unterschiedlich ausgeprägt. Ebenso unterschiedlich ist das jeweilige Vermögen, das eigene Leben in die Hand zu nehmen.

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Eine klare Orientierung dient uns. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Warum ist uns die Illusion so wichtig? Sie vermittelt uns das falsche und gleichzeitig sehr willkommene Gefühl von Sicherheit und Kontrolle. Als stünde es in unserer Macht, wie gesund wir sind. Als läge es in unserem Ermessen, wie alt wir werden. Ja, fast so als könnten wir dem Tod ein Schnippchen schlagen. Diese kindliche Allmachtsfantasie ist für uns leichter zu handhaben als die Tatsache, dass wir wohl im Rahmen unserer persönlichen Möglichkeiten einen gewissen Einfluss ausüben können, den wir auch nutzen sollten, aber dass unsere Macht über das eigene Leben Grenzen hat und unser irdisches Dasein letztlich endet, egal wie gesund wir vorher gelebt haben. Zu gerne blenden wir Krankheit und Tod aus. Wenn wir gezwungen sind hinzusehen, geben uns lieber dem Irrglauben hin, wir wären selber schuld an unseren Maläsen als das Gefühl von Ohnmacht zu ertragen. Und noch attraktiver ist es, anderen die Schuld für ihre gesundheitlichen Probleme zuzuschieben als sich den eigenen Ohnmachtsgefühlen zu stellen.

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Recht und Gerechtigkeit.
Foto: Carlo Schrodt / pixelio.de

Analogie. Mir fällt in diesem Zusammenhang eine Studie ein: Die Ergebnisse von Gerichtsverhandlungen zum Thema sexuelle Gewalt wurden analysiert. Man wollte herausfinden, ob die These stimmt, dass weibliche Richter die Verdächtigen härter verurteilen als ihre männlichen Kollegen. Erstaunlicherweise war es genau umgekehrt! Die Richterinnen tendierten dazu, die Opfer als (mit-)schuldig anzusehen und sprachen die mutmaßlichen Täter häufiger frei. Als mögliche Erklärung vermuten Psychologen, dass die Damen in Richterrobe leichter mit der Haltung leben, eine Frau wird nur dann vergewaltigt, wenn sie selbst diese Handlung provoziert. So können sie für sich selbst in der Illusion bleiben, ihnen passiere so etwas Schreckliches ganz sicher nicht. Was unsere Gesundheit angeht oder die unserer Mitmenschen, werden wir alle leider allzu rasch zu ungnädigen Richtern – egal, welchen Geschlechts wir sind.

Verlorene Jahre?

In einem Beitrag des Spiegelmagazins zeigt eine Grafik, wie viele Lebensjahre wir durch Rauchen (mehr als 10 Zigaretten täglich), Fettleibigkeit (Body-Mass-Index BMI >30) und Alkohol (> 4 Gläser am Tag) etc. verlieren. Die Zahlen sind erschütternd.

Meinung. Ich persönlich glaube nicht, dass sich das individuelle Wohlfühlgewicht immer an BMI-Zahlen hält. Gleichwohl empfinden sich viele Menschen als zu dick. Alleine darüber könnte man eine Abhandlung schreiben. Schauen Sie vielleicht mal auf den Beitrag „Intuitiv essen“. Das Thema will ich an dieser Stelle nicht weiter vertiefen.

Keinem scheint aufzufallen, dass es sich hier um Suchterkrankungen handelt, die behandlungswürdig sind und ihre tieferen Ursachen haben.

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Alkoholsucht ist eine Krankheit, keine Charakterschwäche.
Foto: Petra Bork / pixelio.de

Statt jedem Dicken, Trinker oder Raucher seinen Zustand vorzuwerfen, als sei er Ausdruck einer verabscheuungswürdigen Charakterschwäche, wäre es zweckdienlicher zu fragen, woher das Problem rührt.

Wenn jemand gerne raucht, ist das seine Entscheidung – so lange er niemandem schadet. Kommen Sie mir jetzt bloß nicht mit der Solidargemeinschaft der Krankenkassenmitglieder. Da müssten wir an tausend Stellen ansetzen, wo Menschen ihre eigene Gesundheit belasten, die niemand prüfen und nachweisen kann. Gut, dass das so ist. Sonst will uns am Ende noch jemand vorschreiben, wie viele Schritte wir zu gehen haben, und schnallt uns ein Kontrollbändchen ums Handgelenk. Und wer würde sich anmaßen, die Anzahl der Schritte für alle festzulegen? Die vertretbare Alkoholmenge? Die akzeptable Arbeitsbelastung? Die „richtige“ Ernährung? Menschen sind nicht standardisierbar. Jeder ist einzigartig. Die allseits beliebte Gleichmacherei wird dem Einzelnen nicht gerecht.

Trotzdem wird ausgerechnet über Raucher die Nase gerümpft. Im gesellschaftlichen Ansehen ist der lässig rauchende Cowboy längst nicht mehr cool. Wie sich das Image im Laufe der Jahrzehnte verändert hat bzw. verändert wurde, können Sie in meinem Essay „Wenn die Fackeln der Freiheit verglühen“ nachlesen. 

Die landläufige Meinung ist heute: Zigarettenrauch stinkt, er überschreitet Grenzen und belästigt andere durch Passivrauchen, die Gesundheitsrisiken sind hinlänglich bekannt. Und unsäglich teuer ist das Laster auch noch. Warum fällt es vielen so schwer, auf den Glimmstängel zu verzichten? DAS ist eine Frage, die mich wirklich interessiert.

Eine mögliche Antwort habe ich beim Studium von Traumafolgen gefunden: Rauchen beruhigt. Nikotin lindert Ängste. Aha. Ist die Annahme verwegen, dass wir vom hohen Ross herab Menschen verurteilen, die von ihrem Schicksal gebeutelt sind und eine ungesunde Bewältigungsstrategie für ein Trauma gefunden haben? Nein, sicher ist nicht jeder Raucher ein Traumatisierter. Aber wir wissen das nicht, während wir über fremde Menschen richten. Und es geht uns auch nichts an. Nikotin ist bekanntlich ein Nervengift. Es mag Lebensläufe geben, in denen es erforderlich erscheint, die Nerven zeitweise nicht zu spüren. Ich beglückwünsche Sie zu Ihrem erfreulichen Leben, falls Sie sich das nicht vorstellen können.

Achtung und Demut

Mir begegnen immer wieder Biografien, die meine tiefe Ehrfurcht und Wertschätzung hervorrufen und bei denen ich mich wundere, wie ein Mensch so etwas überlebt. Dass die Betreffenden (unbewusst) nach Bewältigungsstrategien suchen, die Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen, ist eher die Regel als die Ausnahme.

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Beim Essen werden beruhigende Hormone ausgeschüttet.
Foto: Kraftprotz / pixelio.de – nachgestellte Situation

Beruhigende Effekte hat übrigens auch das Essen. Während des Essens wird Oxitocin ausgeschüttet. Das Baby-Bindungs-Hormon beruhigt. Für manche ist Essen eine von wenigen Möglichkeiten, sich zumindest für einen kurzen Augenblick geborgen zu fühlen. „Sie müssen ein paar Pfund abnehmen, sonst gefährden Sie Ihre Gesundheit!“ hören solche Leute täglich von Heilpraktikern, Ärzten, Ernährungsberatern oder wohlmeinenden Nachbarn. Diese Aufforderung nützt ihnen gar nicht. Ganz im Gegenteil: Ihr Gefühl von „Ich kann nicht“ verstärkt sich mit jedem gescheiterten Diätversuch und untergräbt ihre angegriffene Selbstwertschätzung noch weiter.

Ebenso geht es den Alkoholkranken. Auch Alkohol ist ein Nervengift und zudem bietet der Rausch einen kleinen Urlaub von dem unverarbeiteten Horror. Auf keinen Fall will ich Alkohol als gute Bewältigungsstrategie anpreisen. Und doch ist es falsch, die Betroffenen – ausgesprochen oder nicht – als asoziale Säufer zu verurteilen. Alkoholabhängigkeit ist eine anerkannte Krankheit. Wäre es einzig eine Frage des Willens, die Sucht an den Nagel zu hängen, würden die meisten davon Gebrauch machen und das Problem würde sich in Luft auf lösen.

Nützlich ist eine mehrdimensionale Sicht der Dinge. Es braucht zuerst eine gute Strategie, um das Problem zu lösen, das hinter dem Rauchen, dem Übergewicht oder der Alkoholsucht liegt, bevor man das offenkundig selbstschädigende Verhalten bleibenlassen kann. Ja, wir können etwas tun. Aber so platt und einfach wie es klingt, ist es leider nicht immer.

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Auch die gesündeste Ernährung gibt keine Garantie auf ewiges Leben.
Foto: Margot Kessler / pixelio.de

Praxisbeispiel: Ich erinnere mich an eine Patientin, die schon von klein auf nahezu ideal gesunde Weise ernährt worden war. Ihre Eltern haben ihr nur Bio-Lebensmittel gegeben, sie hat sich sportlich betätigt, war immer schlank gewesen, hat keinen Alkohol getrunken und hatte einen geregelten Alltag mit mäßiger Belastung durch ihren Teilzeit-Beruf, einen netten Ehemann und wohlgeratene Kinder. Dennoch war sie an Krebs erkrankt. Der Diagnoseschock bei Krebs zieht den meisten Menschen den Boden unter den Füßen weg. In der Regel haben sie rasch Pläne, was sie künftig ändern wollen, um an Ihrer Genesung mitzuwirken. Bei dieser Frau war die Tatsache, dass Sie TROTZ ihres (nahezu perfekt) gesunden Lebenswandels erkrankt war, das eigentliche Problem. Das stürzte sie in ein tiefes Loch und wir hatten alle Hände voll damit zu tun, ihre Seelenlage zu stabilisieren.

Die Epigenetik lehrt uns, dass wir genetische Vorbelastungen durch gesunde Lebensweise ein Stück weit ausgleichen können. Sie lehrt uns aber auch, dass Belastungen nicht nur genetisch, sondern auch epigenetisch von Generation zu Generation weitergegeben werden. Wir sollten den Menschen helfen, ein Bewusstsein für Ihre individuellen Probleme zu entwickeln und sie dabei unterstützen, gute Lösungen zu finden, statt mit erhobenem Zeigefinger auf die ungesunden Lösungen zu zeigen, die sie selbst gefunden haben. Etwas mehr Achtung vor dem Einzelnen und seinem Schicksal, das wir nicht erkennen, wenn wir nur auf seinen Body-Mass-Index oder seine Zigarettenpackung starren, tut Not.

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Schauen Sie gnädig auf sich und Ihre Mitmenschen.
Foto: Elisabeth Patzal / pixelio.de

Individuelle Werte

Ich wünsche mir, dass wir den Menschen mit offenem Herzen begegnen. Auch und gerade wenn sie nicht so gut für sich sorgen, wie wir es für angemessen halten. Dass wir uns darüber bewusst werden, nicht über alle Informationen zu verfügen, die eine faire Bewertung der Situation erfordern würde. Auch wenn das heißt, dass wir uns unseren tiefen Ängsten stellen und das eigene Fragil-Sein anerkennen, statt auf eine unsinnige Unkapputbarkeit zu pochen, die es im echten Leben nicht gibt. Ich wünsche mir, dass wir an unserem seelischen und körperlichen Wohlergehen mitwirken, ohne dabei fanatisch zu werden. Ich wünsche mir, dass jeder das Recht zugesprochen bekommt, die Werte in seinem Leben frei zu wählen.

Der reflexhafte Ausspruch „Hauptsache gesund“ darf aus meiner Sicht infrage gestellt werden. Was in Ihrem Leben die Hauptsache ist, bestimmen nur Sie. Machen Sie aus dem „Ranking“ Ihrer Werte einen bewussten Vorgang. Dann ist grundsätzlich jede Wahl annehmbar und die Auseinandersetzung damit dient Ihrer Persönlichkeitsentwicklung.

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Frei die eigene Zukunft gestalten. Foto: twinlili / pixelio.de

Natürlich dürfen Sie sich an Konzepten und gesellschaftlichen Konventionen orientieren. Aber das müssen Sie nicht. Sie sind der einzige, der nur Sie sein können. Daraus resultiert Ihre individuelle Freiheit. Füllen Sie Ihr Ich-Sein mit den Inhalten, die für Sie stimmig sind. Das ist Ihr Geburtsrecht. Sie dürfen es in Anspruch nehmen. Viel Freude beim Entdecken Ihres Standpunkts und Ihrer Entwicklungspotenziale.

Leben – ohne Netz und doppelten Boden. Und wenn Sie sich darauf zubewegen, der Mensch zu sein, der Sie sein wollen, dann gibt Ihnen das keine Garantie für ein gesünderes Dasein oder eine bestimmte Anzahl von Lebensjahren. Aber mal ganz ehrlich: Wie wichtig ist der Zeitpunkt des Todes im Vergleich zu der Art, wie wir gelebt haben? Nützt es mir, drei Jahre länger so zu leben, wie es mir nicht entspricht? Beschreiten Sie beherzt den Weg zu sich selbst. Wie lange Sie dafür brauchen und wie viele Irrwege Sie gehen, ist weniger wesentlich als loszulaufen.

 

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Eine spannende Reise. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Was Sie schon immer über Heilpraktiker wissen wollten…

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Glauben Sie nicht alles, was Sie lesen!
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de – nachgestellte Situation

In wessen Hände wir vertrauensvoll unsere Begleitung in Richtung körperliche und/oder seelische Gesundheit legen, ist eine wichtige Entscheidung. Natürlich wollen wir uns darauf verlassen, dass unser Behandler kompetent in der Sache und als Mensch integer ist.

In der Öffentlichkeit besteht Verwirrung darüber, welche Qualifikation Heilpraktiker tatsächlich haben. Daher möchte ich hier für ein wenig sachliche Aufklärung sorgen. Sie finden auf dieser Seite Antworten zu folgenden Fragen:

    • Welche Qualifikation hat ein Heilpraktiker?
    • Welche staatliche Einrichtung stellt die Qualifikation der HP sicher?
    • Und wie wird vermieden, dass jemand eine „Gefahr für die Volksgesundheit darstellt“?
    • Worin sind Heilpraktiker ausgebildet?
    • Wer darf in Deutschland eigentlich Patienten therapieren?
    • Was heißt das: „therapieren“?
    • Wer ist befugt, Psychotherapien durchzuführen?
    • Wo sind die gesetzlichen Grenzen der Heilpraktiker?
    • Welche historischen Wurzeln haben die Ressentiments zwischen den Berufsgruppen?
    • Und wie kann man ihnen wirksam begegnen?
Welche Qualifikation hat ein Heilpraktiker?

In der Presse geistern irreführende Meldungen umher, man müsse nur Hauptschulabschluss haben und 25 Jahre alt sein, und schon sei man Heilpraktiker. Was daran der Wahrheit entspricht: Es gibt Mindestvoraussetzungen für die Zulassung zur Prüfung. Sie ersetzen aber keineswegs die Prüfung, sondern sind nur Anforderungen, die schon vor dem Beweis der persönlichen und medizinischen Qualifikation erfüllt sein müssen. Darunter übrigens auch ein aktuelles straffreies amtliches Führungszeugnis und ein aktuelles ärztliches Zeugnis über die geistige und gesundheitliche Eignung zur Berufsausübung.

So viel zur Richtigstellung der lückenhaften Berichterstattung. Nun wenden wir uns den Fakten zu, die für Sie als Patient von Interesse sein können:

Welche staatliche Einrichtung stellt die Qualifikation der HP sicher?

Und wie wird vermieden, dass jemand eine „Gefahr für die Volksgesundheit darstellt“?

Der Begriff Heilpraktiker ist in Deutschland rechtlich geschützt. Nur wer eine amtsärztliche Prüfung vor dem Gesundheitsamt erfolgreich besteht, darf diese Bezeichnung führen. Es obliegt also dem Staat, die Bevölkerung vor den Gefahren von medizinischem Halbwissen, Scharlatanerie und Quacksalberei zu schützen. Diese Funktion üben die Gesundheitsämter gewissenhaft aus: 80 % der Prüflinge fallen durch. Sie erhalten folglich auch keine Zulassung als Heilpraktiker, dürfen sich nicht als Heilpraktiker bezeichnen und keine Behandlungen an Patienten vornehmen. Wer gegen dieses Gesetz verstößt begeht eine Straftat, die rechtliche Konsequenzen hat.

Die staatliche Erlaubnisurkunde erhalten geprüfte Heilpraktiker als amtliches Dokument, das sie zur Berufsausübung legitimiert, erst nach dem Bestehen ihrer schriftlichen und mündlichen Prüfung. Die Urkunde muss für Patienten sichtbar in der Praxis ausgehängt werden bzw. ausliegen.

Und so schaut eine Erlaubnisurkunde aus.

Die Heilpraktikerprüfung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Der Theorieteil wird bundesweit zeitgleich mit identischem Inhalt durchgeführt. Die schriftlichen Prüfungen aus den vergangenen Jahren  sind im Internet veröffentlicht. 75 % der Fragen müssen präzise korrekt beantwortet werden. Nur dann wird man überhaupt zur mündlichen Prüfung zugelassen. Der Multiple-Choice-Test dient dem ersten „Aussieben“ von Kandidaten, denen es an Fachwissen mangelt bzw. die ihre Kenntnisse nicht auf den Punkt bringen können oder nicht im erforderlichen Maße stressresistent sind.

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Beim Multiple Choice Test fallen 80 % der Anwärter durch.
Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Im praktischen Teil ermittelt ein Amtsarzt in einem Gespräch, ob die fachliche und persönliche Qualifikation des Prüflings ausreichend ist, um ihm die weitreichenden Kompetenzen zu übertragen, die mit dem verantwortungsvollen Beruf des Heilpraktikers einhergehen. Amtsärzte prüfen die fachliche und persönliche Eignung der Anwärter. Insbesondere geht es darum herauszufinden, ob sich der angehende Heilpraktiker seiner bzw. ihrer persönlichen, fachlichen und gesetzlichen Grenzen bewusst ist, damit er „keine Gefahr für die Volksgesundheit darstellt“. Auch ein Heilpraktiker ist als Beisitzer bei der mündlichen Prüfung zugegen, die Gesprächsführung in der Heilpraktikerprüfung obliegt aber dem akademisch graduierten Mediziner.

Worin sind Heilpraktiker ausgebildet?

Die Forderung nach einer einheitlichen Ausbildung der Heilpraktiker ist einerseits berechtigt. Es gibt keine Berufsordnung, welche die Ausbildung inhaltlich regelt. Andererseits ist der inhaltliche Rahmen automatisch durch die Kenntnisse definiert, die in der Prüfung abgefragt werden.

Inhalte der Heilpraktikerprüfung sind im Speziellen:

    • Berufs- und Gesetzeskunde
    • Grenzen und Gefahren diagnostischer und therapeutischer Methoden des Heilpraktikers
    • Grundkenntnisse in Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie
    • Grundkenntnisse der allgemeinen Krankheitslehre
    • Erkennung und Erstversorgung akuter Notfälle und lebensbedrohlicher Zustände
    • Technik der Anamneseerhebung
    • Methoden der unmittelbaren Patientenuntersuchung
    • Praxishygiene, Desinfektion und Sterilisation
    • Injektions- und Punktionstechniken
    • Blutabnahme
    • Bedeutung grundlegender Laborwerte

Beispiel zum Umfang der Heilpraktikerausbildung 

  • Der Aufwand in Zeit lag bei meiner Ausbildung bei 800 Präsenzstunden (Unterricht) verteilt über 30 Monate. Hinzu kommen die Zeiten der Vor- und Nachbereitung, des Lernens und der Prüfungsvorbereitung. Meine Heilpraktikerschule schätzt, dass man ca. insgesamt 1.330 Stunden investieren muss, um eine realistische Chance zu haben, die Prüfung zu bestehen.
  • Der finanzielle Aufwand für diese Ausbildung beläuft sich derzeit auf 6.900 Euro plus Reisekosten, Fachliteratur, Prüfungsgebühren etc.

Die Ausbildung bereitet primär auf die Heilpraktikerprüfung vor. Parallel dazu oder anschließend absolvieren die Kollegen Fortbildungen in diagnostischen und therapeutischen Verfahren. Jeder Heilpraktiker wählt frei, auf welche Verfahren er oder sie sich spezialisieren will. Manche bleiben bei einer Methode, z.B. Osteopathie oder Traditionelle Chinesische Medizin, andere eignen sich ein breites Spektrum an Methoden an. Beide Strategien haben Vor- und Nachteile.

Für Heilpraktiker gibt es bis dato keine vorgeschriebenen Fortbildungspunkte wie z.B. für Ärzte, Psychologen und Apotheker. Das kann man kritisieren. Andererseits stützen sich die meisten Naturheilmethoden größtenteils auf jahrhundertealte Erfahrungsheilkunde im Gegensatz zur Schulmedizin, bei der sich das Wissen rasant weiterentwickelt. Die Notwendigkeit, am Puls der Zeit zu bleiben, ist für Ärzte und Heilpraktiker – je nach Methodenspektrum – also unterschiedlich.

Beispiel zum Umfang der Fortbildung

Meinen Zeitaufwand für solche Zusatzqualifikationen im Nachhinein zu schätzen, ist leider nicht möglich. Den finanziellen Aufwand habe ich ermittelt, damit Sie eine Vorstellung vom Umfang bekommen: Von 2006 bis 2016 habe ich in meine Qualifikation für naturheilkundliche und psychotherapeutische Fortbildungen rund 30.000 Euro investiert.

Einige meiner Fortbildungen habe ich gemeinsam mit Ärzten, Psychologen und/oder Apothekern absolviert, die dafür Fortbildungspunkte erhalten haben.

Wer darf in Deutschland Patienten therapieren?

Wer in Deutschland Patienten therapieren darf, ist klar geregelt: Ärzte und Heilpraktiker sind dazu im Rahmen der Gesetze und vor allem ihrer fachlichen Qualifikationen befugt. Andere Berufsgruppen dürfen Patienten nur dann behandeln, wenn eine ärztliche Verordnung oder das Rezept eines Heilpraktikers vorliegt.

Eine Besonderheit in unserem Berufsstand sind die sogenannten sektoralen Heilpraktiker. Die Zulassung dieser Kollegen bezieht sich ausschließlich auf ihr Fachgebiet, z.B. Heilpraktiker für Psychotherapie und Heilpraktiker für Physiotherapie.

Akademiker, die Psychologie studiert haben oder sich durch andere Studiengänge wie Soziale Arbeit und therapeutische Zusatzqualifikationen auf ihren Beruf als Therapeut vorbereitet haben, sind hochqualifiziert. Eine Zulassung zum Therapieren besitzen sie allerdings noch nicht. Diese muss nach dem Studium oder parallel dazu auf separaten Wegen erlangt werden. Einer dieser Wege ist, die Prüfung als Heilpraktiker für Psychotherapie zu bestehen.

Gesundheitscoaches, Gesundheitsberater oder Naturheilkundeberater beraten ihre Klienten zum Zweck der Prophylaxe und allgemeinen Gesunderhaltung. Therapieren dürfen solche Berater oder Coaches nicht, auch nicht wenn sie sich als „zertifiziert“ oder „staatlich geprüft“ ausweisen. Menschen, die bereits an einer Erkrankungen leiden, sind bei Ärzten und Heilpraktikern richtig aufgehoben.

Was heißt das: „therapieren“?

Therapie ist definiert als Maßnahme, die auf die Linderung oder Heilung von Krankheiten abzielt. Maßnahmen zur Vorbeugung von Krankheiten und zur Gesunderhaltung dürfen auch von anderen Berufsgruppen angewandt werden.

Wer ist befugt, Psychotherapien durchzuführen?

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Psychotherapie gehört in fachkundige Hände.
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Es gibt drei Berufsgruppen, die in Deutschland Psychotherapie ausüben dürfen:

    • Ärzte mit Zusatzbezeichnung Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie oder Facharzt für Jugendpsychiatrie und Psychotherapie,
    • Psychologische Psychotherapeuten nach einem Studium der Psychologie und Zulassung als Therapeut,
    • Heilpraktiker für Psychotherapie und Heilpraktiker mit psychotherapeutischer Zusatzqualifikation.

Wo sind die gesetzlichen Grenzen der Heilpraktiker?

Heilpraktiker dürfen grundsätzlich Diagnosen stellen und Therapien ausüben. Voraussetzung ist, dass sie ihr Fachgebiet beherrschen und entsprechende Fortbildungen nachweisen können. Für alle beworbenen Methoden müssen Zertifikate ohne Nachfragen für die Patienten zugänglich sein, z.B. als Aushang in der Praxis, als Ordner im Wartezimmer oder ähnliches.

Es bestehen diverse Behandlungsverbote, z,B. für bestimmte Infektionskrankheiten (Kinderkrankheiten und sexuell übertragbare Infektionen) sowie für Erkrankungen, die Medikamente erforderlich machen, welche ein Heilpraktiker nicht verordnen darf. Alle verschreibungspflichtigen Arzneimittel dürfen in Deutschland nur von Ärzten verordnet werden. Verschreibungspflichtig sind laut Arzneimittelgesetz „Arzneimittel mit besonderen Anwendungsrisiken“, also Medikamente, die möglicherweise erhebliche Nebenwirkungen verursachen. Heilpraktiker dürfen prinzipiell keine Zahnheilkunde ausüben und keine Geburtshilfe leisten. Die Begleitung von schwangeren Frauen vor der Niederkunft ist erlaubt. Ebenso die Betreuung von jungen Müttern nach dem Wochenbett. Wir dürfen weder Leichenschauen durchführen noch zu strafrechtlichen Prozessen Gutachten beisteuern.

Die Grenzen unserer gesetzlichen Kompetenzen werden in den Heilpraktikerprüfungen regelmäßig abgefragt.

Welche historischen Wurzeln haben die Ressentiments zwischen den Berufsgruppen?

Die Spaltung von Ärzteschaft und Heilpraktikerwesen ist historisch bedingt. Es wurzelt in dem Deutschen Heilpraktikergesetz, das aus der Nazi-Zeit (1939) stammt. Erst seit 2005 ist es erlaubt, dass Ärzte und Heilpraktiker in einer Praxis oder Klinik zusammenarbeiten dürfen.

Und wie kann man ihnen wirksam begegnen?

Vorurteilen begegnet man meiner Erfahrung nach am Besten, indem man sie an der Realität misst. Dazu ist es dienlich, wenn man sich und dem anderen die Gelegenheit gibt, von der vorgefassten Meinung abweichende positive Erfahrungen zu sammeln, wenn man sich öffnet für neue Informationen und erweiterte Perspektiven. Ich persönlich setze auf ein wertschätzendes und integratives Miteinander. In meinem Umfeld gibt es zahlreiche Beispiele dafür, dass es gelingen kann:

    • „Meine“ Heilpraktikerschule, an der ich auch verschiedentlich als Referentin aktiv war, ist ärztlich geführt. Die Studienleiterin ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, unter den Referenten gibt es Heilpraktiker, Ärzte und andere Berufsgruppen. Von ihnen allen habe ich Wertvolles gelernt.
    • Während meiner verschiedenen Hospitationen in Arztpraxen sowie im ärztlichen Bereitschaftsdienst habe ich die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Heilpraktikern als für beide Seiten inspirierend und auch für die Patienten als gewinnbringend erlebt.
    • In meiner journalistischen Tätigkeit arbeite ich sowohl mit Ärzten als auch mit Heilpraktikern eng zusammen. Heilpraktiker begegnen Ärzten und Menschen aus anderen Berufen in unseren Rollen als Redakteur, Autor etc. auf Augenhöhe.
    • Gemeinsam mit dem Arzt Dr. Peter Vill habe ich das Buch „Gesundheit gestalten mit den 4 Elementen“ geschrieben und veröffentlicht. Die enge Zusammenarbeit hat uns beide beflügelt und nachhaltig bereichert.
    • Als Patientin war und bin ich sowohl bei Ärzten als auch bei Heilpraktikerinnen in Behandlung. Mit beiden Berufsgruppen habe ich Erfahrungen unterschiedlichster Art gesammelt. Für meinen Genesungsweg und meine Persönlichkeitsentwicklung waren Personen mit beiderlei Qualifikation von großem Nutzen.
    • Unter meinen Patienten befinden sich schon seit vielen Jahren neben zahlreichen anderen Berufsständen auch Ärzte und Heilpraktiker. Über Mediziner und Psychotherapeuten, die den Weg in meine Praxis finden, freue ich mich immer wieder sehr.
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Die Welt darf bunt sein. Foto: twinlili / pixelio.de

Weitere Infos
www.gesetze-im-internet.de/heilprg/BJNR002510939.html  (Bundesministrium der Justiz und für Verbraucherschutz)