Den Energieräubern auf der Spur

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Haushalten Sie klug mit Ihren Reserven.
Foto: magann/pixelio.de

In unseren bewegten Zeiten ist es wichtig, mit den Energiereserven klug zu haushalten – mit den globalen und auch mit den persönlichen. Während sich viele Methoden darauf konzentrieren, neue Energie zu schöpfen, richten wir heute den Blick auf die andere Seite der Energie-Bilanz: Was raubt uns Kraft?

Zunächst gilt es herauszufinden, was uns Energie kostet. Halten Sie achtsam Ausschau nach Situationen, Plätzen, Gegenständen, Tätigkeiten oder Menschen, die Sie schwächen. Hören Sie auf Ihren Bauch. Wobei geht es Ihnen gut? Wonach fühlen Sie sich wie ausgesaugt? Was gibt Ihnen Power und hebt die Stimmung? Gute Laune ist ohnehin ein prima Indikator beim Differenzieren von Energiespendern und -räubern.

Loslass-Rituale und Nostalgie-Ecke

Vielleicht ist ein bisschen „Feng-shui im Kleiderschrank oder auf dem Dachboden“ ein guter Anfang. Sortieren Sie beispielsweise Kleidung aus, die Sie seit mehr als einem Jahr nicht getragen haben. Trennen Sie sich von Relikten aus vergangener Zeit, z. B. von Briefen aus einer unglücklichen Beziehung. Altes ohne Zukunftswert bindet Energien in der Vergangenheit. Sie müssen ja nicht alles einfach wegwerfen. Es gibt kraftvolle Loslass-Rituale für solche Fälle. Mit Worten des Dankes und mit guten Wünschen kann man die Fotos seiner „Verflossenen“ zu Schiffchen falten und zusehen, wie sie im Fluss treibend am Horizont verschwinden – bitte nur einzelne als Symbol, nicht schuhkartonweise. Korrespondenz kann man verbrennen und die Asche an einem schönen Ort lassen. Gegenstände kann man verschenken, vergraben oder bei Ebay versteigern. Richten Sie sich eine kleine überschaubare „Nostalgie-Ecke“ ein, in der Sie das wenige aufbewahren, das Ihnen kostbar ist und Kraft aus den guten alten Zeiten ins Jetzt bringt.

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Auch alte Briefe binden Energien. Foto: knipseline / pixelio.de

Plätze, die uns nicht gut tun, können unterschiedliche Ursachen haben. Manche weisen einfach eine geopathische Belastung auf, d. h. es laufen Wasseradern oder Erdverwerfungen entlang. Da hilft nichts als den Ort zu meiden. Oft sind Plätze auch „emotional verstrahlt“. Wir haben dort etwas Schlimmes erlebt, das heute noch nachhallt, wenn wir dort sind. Wiederum mit der Hilfe von Ritualen kann man solche Verbindungen lösen. Das Räuchern ist eine beliebte Möglichkeit zur energetischen Raumreinigung, aus der Aromatherapie kennen wir Reinigungsöle (z. B. Salbei ins Putzwasser). Wenn uns bestimmte Orte richtiggehend Angst machen, kann ein therapeutisches Eingreifen erwogen werden.

Ich bestimme frei

Zum Thema kraftraubende Tätigkeiten entlehne ich einen einfachen Trick bei meiner lieben Autoren-Kollegin Mechthild R. von Scheurl-Defersdorf: Achten Sie auf „ich muss“-Formulierungen, z. B.“Ich muss noch einen Kuchen für Juttas Geburtstag backen.“ Sind sie ersetzbar durch „ich will“ ist alles ok. Andernfalls ist Energieräuber-Alarm.

Eine methodische Hilfe aus der Berufswelt lässt sich auch auf den privaten Bereich übertragen: Sortieren Sie Ihre To-Do-Liste sorgsam nach Prioritäten: A wichtig und dringend, B wichtig aber nicht dringend, C weder wichtig noch dringend, D delegierbar, E entbehrlich. Streichen Sie alles aus Kategorie E sofort und verschwenden Sie keinen Gedanken mehr daran. Geben Sie die D-Aufgaben ab und delegieren Sie nicht nur die Umsetzung, sondern auch die innere Verantwortung für den Job. Erledigen Sie A umgehend und lassen Sie sich von B-Aufgaben nicht unter Druck setzen. Für C haben Sie Zeit, falls Ihnen langweilig wird. Alles klar?

Situationen, die uns Kraft rauben, können wir nicht immer meiden. Oder doch? Sind wir schwer krank erlauben wir uns plötzlich, nein zu sagen. Nein zur Überlastung, nein zu Grenzüberschreitungen, nein zum Sich-Verbiegen um des lieben Friedens willen. Schein-Harmonie ist immer teuer bezahlt. Was „man“ nicht darf oder unbedingt „sollte“, warum ist das ein Maßstab? Hier schleppen wir häufig alte Muster mit uns herum, die irgendwann einmal ihre Berechtigung hatten als wir noch klein waren und den Eltern gefallen wollten, um dazuzugehören, geliebt oder anerkannt zu werden. Als Erwachsene haben wir das Recht auf unseren freien Willen. Stellen Sie sich ab heute selbst Erlaubnis-Scheine aus! Erleben Sie bewusst, wie es sich anfühlt, souverän zu entscheiden, was man selber will, statt den Erwartungen des Umfelds ständig hinterherzulaufen. Vielleicht stellen Sie erstaunt fest, dass sich keiner von Ihnen abwenden wird, wenn Sie sich in bestimmte Situationen nicht mehr freiwillig hineinbegeben. Und wenn sich jemand abwendet, weil Sie sich nicht mehr überfordern oder missbrauchen lassen – was haben Sie dann verloren?

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Finden Sie Plätze, die Ihnen rundum gut tun.
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Rückzug ist erlaubt

Besonders spannend ist es zu prüfen, welche Menschen uns Energie rauben. Damit meine ich nicht, dass in einer ausgewogenen Freundschaft mal der eine und mal der andere mehr Zuspruch und Aufmerksamkeit braucht. Es gibt auch Verbindungen, die einseitig sind im Geben und Nehmen. Achten Sie auf Warnsignale, z. B. ob Sie die betreffende Person nur aus Pflichtgefühl anrufen, ob sie das nächste Treffen möglichst weit wegschieben oder direkt vorm Termin lieber daheim bleiben würden. Oft trennt sich in schwierigen Lebenssituationen im Freundeskreis die Spreu vom Weizen. In der Familie ist das eine Übung für Fortgeschrittene.

Finden Sie Ihre persönliche Balance zwischen befreiender Offenheit und notwendiger Diplomatie. Aber retten Sie sich vor Kraftsaugern im nahen Umfeld. Gehen Sie, wenn es belastend wird. Einige Betroffene nutzen eine Erkrankung als Schild zum Durchsetzen ihrer Rückzugs-Bedürfnisse. Finden Sie langfristig eine innere Haltung, die diesen Schutz überflüssig macht – wenn nötig mit therapeutischer Unterstützung. Wählen Sie, ob und wann für Sie ein reinigendes Gewitter hilfreich ist, um untergründig schwelende Themen endlich auf den Tisch zu bringen. Auf Dauer ist das Unterschwellige und Unausgesprochene oft kraftraubender als das Lösen des Konflikts.

Wählen Sie aus den genannten Anregungen den Bereich, der für Sie persönlich passend ist. Setzen Sie sich nicht unter Druck. Der richtige Zeitpunkt ist wichtig, wann man sich mit Veränderungen dieser Art befassen will. Probieren Sie aus, spüren Sie nach, wundern Sie sich, was alles problemlos geht. Genießen Sie den Erfolg, wenn Sie sich vielleicht auch gegen innere oder äußere Widerstände Ihrer Energieräuber entledigt haben. Mit Mut und Kreativität schreiten Sie so einem nachhaltigen Mehr an Kraft und Lebensenergie entgegen.

Text von Petra Weiß
Erstveröffentlichung in Signal 2011/4 Haug Verlag, Stuttgart
aktualisierte und überarbeitete Fassung für den Lichtblick-Blog 2019

Zum Weiterlesen
Storch, Maja: „Machen Sie doch, was Sie wollen!“
Kingston, Karen: „Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags“

 

Grippe – nein Danke!

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Gut gewappnet durch die kalte Jahreszeit.
Foto: Martin Gebhardt / pixelio.de

In den Medien hört man alle Jahre wieder Schreckensmeldungen über bevorstehende Grippewellen. Dank der Angst vor Vogelgrippe, Schweinegrippe oder Influenza macht die Pharmaindustrie kräftige Umsätze im Impfgeschäft (siehe weiter unten). In der Sprechstunde werde ich immer wieder nach guten Alternativen befragt. Hier habe ich ein paar praktische Tipps für Sie zusammengestellt.

Dass um uns herum und in unserem Körper Viren, Bakterien und Pilze sind, bedeutet nicht, dass wir krank werden. Solche Erreger sind allgegenwärtig. Das Wunderwerk Mensch verfügt über eine ganze Reihe von ausgeklügelten Abwehrmechanismen, die im Normalfall sehr gut funktionieren. Werden wir trotzdem krank, sind noch andere Faktoren im Spiel, auf die wir durchaus Einfluss haben:

Bewegung in der Natur kann auch im Winter Freude machen.
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Lifestyle. Die beste Abwehr gegen Infekte leistet ein intaktes Immunsystem. Dazu können Sie einiges selbst beitragen: Regelmäßige Bewegung – auch in der kalten Jahreszeit, angemessene Umgebungstemperatur und Kleidung, ausgewogene Ernährung und ein typgerechter Lebensstil mit einem gesunden Verhältnis von Anspannung und Entspannung sind das A und O. Was typgerecht bedeutet, ergibt sich aus der 4-Elemente-Auswertung für jeden individuell.

Körper-Seele-Geist. Mittlerweile weiß man um die enge Verzahnung von Immunsystem, Nervensystem und Hormonsystem. Daraus wird immer klarer, warum es für den Körper dienlich ist, das Seelenleben zu entlasten. Die Wissenschaft der Neuropsychoimmunologie deckt diese Zusammenhänge forschend auf. Insofern sind alle Methoden hilfreich, die die seelische Balance fördern.

Mikronährstoffe. Eine gute Rundumversorgung mit Mikronährstoffen halte ich für eine wirksame Unterstützung, um den Körper gegen Erreger jeder Art zu wappnen: Ich selbst gönne mir in der kalten Jahreszeit täglich einen Esslöffel eines hochkonzentrierten Vitalstoffpräparats, das in Wasser verrührt wird. Achten Sie generell darauf, dass Nahrungsergänzungsmittel aus natürlichen Quellen stammen und prüfen Sie die Zusammensetzung. Bei allen Multiprodukten sind Vitamin C und Magnesium im Bedarfsfall noch zusätzlich einzunehmen. Magnesium empfehle ich nur bei entsprechenden Beschwerden (z.B. Krampfneigung) und wenn Erdelement nicht im Übermaß vorhanden ist.

Vitamin C kann jeder großzügig für sich einsetzen (3 Mal täglich eine Messerspitze in Flüssigkeit aufgelöst; reichlich Wasser nachtrinken, damit der Zahnschmelz nicht unter der Säure leidet). Was überschüssig ist, scheiden gesunde Nieren problemlos aus. Ich empfehle ein naturnahes Produkt zu verwenden, z.B. Acerola-Pulver. Hier bitte nicht sparen! Billiganbieter züchten Vitamin C auf Pilzkulturen im Labor, was die Bioverfügbarkeit nicht gerade fördert.

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Von Oktober bis März reicht die Sonneneinstrahlung nicht für unsere Vitamin D Produktion. Foto: Petra Weiß

Der Großteil der Bevölkerung in Mitteleuropa ist schon im Sommer mit dem Sonnenvitamin D unterversorgt! Im Winter fehlt die Sonne, wodurch noch weniger Vitamin D im Körper produziert wird. Der „Vitamin-D-Papst“ Prof. Jörg Spitz empfiehlt auch jedem Gesunden 2.000 IE (internationale Einheiten) Vitamin während der Wintermonate einzunehmen und bei nachgewiesenem Mangel eine Dosis von 6.000 IE täglich. Ich lasse bei meinen Patient*innen alle drei Monate den OH25-Spiegel im Blut prüfen, wenn sie Vitamin D in hohen Dosen einnehmen. Für rund 20 Euro gewinnt man Sicherheit und therapiert nicht auf Verdacht. Bei bestimmten Krankheitsbildern (z.B. Autoimmunerkrankungen) reicht ein Vitamin-D-Spiegel nicht aus, der nur in der Norm liegt. Sondern man therapiert an die obere Grenze des Referenzbereichs – selbstredend unter Kontrolle der Laborwerte. Vitamin-D ist ein billiges „Medikament“. Es ist kaum zu glauben, dass dennoch in weiten Teilen der Bevölkerung eine Unterversorgung besteht! Nebenwirkungen durch Überdosierung sind laut Professor Spitz in der Praxis kaum zu beobachten. Allein bei Kindern sollte man den Kalziumspiegel im Auge behalten, wenn man über längere Zeit mehr als 4.000 IE täglich verabreicht. Besprechen Sie solche Maßnahmen im Vorfeld mit ihrem naturheilkundlich orientierten Kinderarzt.

Wenn ein*e Patient*in mit Schniefnase meine Praxis betritt, was natürlich immer wieder vorkommt, ist er oder sie trotzdem willkommen! Mein Geheimtipp für stabile Schleimhäute (denn hier treten die Erreger in den Körper ein – oder eben nicht!) ist Zink. 25 mg Zinkorotat täglich schützen die Schleimhäute. Wenn Sie diese Dosis über sechs Wochen oder länger einnehmen möchten, ist es notwendig, parallel Kupfer, Mangan, Kalzium und Eisen zuzuführen, damit das Verhältnis ausgewogen bleibt. Mit einem guten Multivitalstoffpräparat ist das Problem gelöst.

Zum Genesen brauchen wir Ruhe. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Gesunder Umgang. Falls es dann doch zu einem Infekt gekommen ist, gibt es unterschiedliche Arten, damit umzugehen: Am wichtigsten ist es, den Körper jetzt in seiner Arbeit nicht zu behindern. Nehmen Sie daher nur im Notfall unterdrückende Medikamente. Das Laufen der Nase, das Abhusten des Schleims, die erhöhte Temperatur und andere Reaktionen sind sinnvoll und gesund. Sie helfen dem Organismus mit den Eindringlingen klarzukommen. Ein gerütteltes Maß an Selbstfürsorge ist jetzt notwendig, damit Leistungsorientierung und Pflichtgefühl der Genesung nicht im Wege stehen. Lassen Sie Ihrem Körper ZEIT. Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht! Schalten Sie einen Gang zurück, stressen Sie Ihren Leib jetzt nicht mit Alkohol oder anderen Genussgiften und sorgen Sie für ausreichend Ruhe.

Medikamente. Die naturheilkundliche Apotheke bietet kraftvolle und dennoch sanfte Arzneien zur Selbstmedikation. Ein Produkt aus Sonnenhut (Echinacin) pusht das Immunsystem. Die Anzahl der weißen Blutkörperchen wird erhöht und die Abwehr dadurch gesteigert. Das Immunsystem in dieser Art zu stimulieren, muss man gewissenhaft abwägen bei Blutgruppe 0, wenn der Mensch gleichzeitig zu Überreaktionen des Immunsystems neigt, wie Allergien oder Autoimmunreaktionen. Sprechen Sie im Zweifel mit Ihrem/Ihrer Arzt/Ärtzin oder Heilpraktiker*in. Bei hartnäckigen Infekten setze ich gerne ein pflanzliches Antibiotikum ein. Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzel machen den Erregern in Bronchien und Nebenhöhlen den Garaus.

Manche von Ihnen haben vielleicht schon gute Erfahrungen mit den Präparaten der anthroposophischen Apotheke gemacht. Globuli aus Apis und Belladonna für beginnende Halsschmerzen oder Composita auf der Basis von Ferrum phosphoricum bei grippeähnlichen Symptomen haben sich seit Jahren bestens bewährt.

Praxistipp: Falls die dritte Gabe noch keine Veränderung (seelisch, körperlich oder hinsichtlich der allgemeinen Power) gebracht haben sollte, stoppen Sie die Einnahme. Wenn die Symptome weg sind, stoppen sie sie ebenfalls sofort. Das nicht zu tun, sind die beiden häufigsten Fehler bei der Selbstmedikation mit homöopathischen Mitteln. Idealer ist es natürlich, wenn ein*e erfahrende*r Homöopath*in, das genau passende Kügelchen für Sie bestimmt. Denn damit können sich nicht nur die Erkältungssymptome auflösen, sondern auch seelische Dysbalancen und mitunter noch ganz andere Beschwerden – sozusagen als erfreuliche Nebenwirkung.

Je früher Homöopathie eingesetzt wird, desto rascher und umfassender kann sie wirken. Das Mittel für akute Beschwerden zu finden, ist in der Regel sehr viel einfacher und treffsicherer als für chronische Erkrankungen. Ein beliebter Fehler – in der Selbstmedikation und auch in der Therapie – ist es, Homöopathika einzusetzen, wenn der Körper bereits auf einem guten Weg ist, die Krankheit selbst zu bewältigen. Ist der Höhepunkt der Erkrankung überschritten und die Symptome sind im Abklingen, sind Geduld und Vertrauen in die Selbstheilungskräfte gefragt. Das ist sowohl für die Patient*innen als auch für die Homöopath*innen eine Herausforderung.

Bewährte Hausmittel unterstützen die Genesung. Foto: Rike / prixelio.de

Hausmittel. Ansteigende Fußbäder, Inhalationen, Wickel, Zwiebelsäckchen und vieles, was die Großmutter noch wusste, haben auch heute noch einen Stellenwert in der Behandlung von Erkältungskrankheiten verdient. Fragen Sie Ihre Oma oder recherchieren Sie im Internet. Tees z.B. mit Ingwer, Thymian oder Salbei sind die Klassiker für den wehen Hals. Kaufen Sie Produkte in Bioqualität (ohne Pestizidbelastung), legen Sie einen Deckel auf die Tasse, damit die ätherischen Öle nicht verdampfen, und gehen Sie maßvoll mit dem Arzneimittel Tee um. Literweise und ganzjährig Kräutertees zu trinken, ist nicht sinnvoll. So mancher hat sich durch den übermäßigen Genuss von Kamillentee schon einer unfreiwilligen Arzneimittelprüfung von Chamomilla unterzogen.

Arzt: Selbstverständlich konsultieren Sie Ihre*n Hausarzt/-ärztin, falls Ihre Beschwerden anhalten oder in ihrer Heftigkeit von den Ihnen bekannten Erkältungsbeschwerden abweichen.

Wir haben grippalen Infekten einiges entgegenzusetzen, das nebenwirkungsarm und relativ kostengünstig gleichzeitig vielen anderen Krankheiten vorbeugt. Gehen Sie sorgsam und bewusst mit Ihrem Körper um!

Lesen Sie hier meinen noch immer aktuellen Bericht zur Grippehysterie:

Lohnenswert nur für die Hersteller

Erinnern Sie sich: Wochenlang wurde in Radio, TV und Zeitungen von der Vogelgrippe berichtet, so wie vormals vor der Schweinegrippe. Viele Menschen fühlten sich von der Erkrankung bedroht und einige hamsterten Medikamente, von denen sie im Ernstfall Hilfe erhofften. Die Grenzen zwischen Vorsorge, Panik und Hysterie waren zeitweise recht verschwommen. Und die Massenmedien trugen ihren Teil dazu bei.

Natürlich ist es tragisch, wenn Menschen an einer Infektion sterben. Aber in den Medien wurden diese Einzelfälle so dargestellt, als werde die Welt in kürze von einer schrecklichen Pandemie heimgesucht. In Windeseile wurden Medikamente produziert und auf Kosten der Steuerzahler auf Halde gelegt. Die Epidemie blieb dann aus und man fragt sich, ob wir das den Erzeugern von Tamiflu & Co zu verdanken haben.

Nun meldet der elektronische Nachrichtendienst der Frankfurter Allgemeine Zeitung faz.net einen ernüchternden Rückblick: Einen halben Tag Krankheitsgeschehen ersparten die teuren Arzneien den Patienten laut einer aktuellen Meta-Studie der Conchrane Collaboration. Im Durchschnitt litten die Betroffenen 6,5 statt 7 Tage an den Grippe-Symptomen. Und auch die befürchteten Komplikationen traten bei Menschen mit der Medikation nicht seltener auf als ohne.

Naturheilkundler fordern die Förderung von bewährten Heilpflanzen wie der Zistrose, deren Wirkstoffe nachweislich die Infektionsrate bei Grippe verringern, die Ausbreitung der Viren hemmen und die Krankheitsdauer deutlich verkürzen – und das zu einem Bruchteil der Kosten.

Erstveröffentlichung: Signal 2/2014 Haug-Verlag Stuttgart,
gekürzte Fassung für Lichtblick-Blog 2019

Hauptsache gesund? Die Illusion vom ewigen Leben.

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So einfach wie die Welt manchmal ausschaut, ist sie nicht immer.
Foto: Oliver Mohr / pixelio.de

Immer wieder lesen oder hören wir, wie wichtig unser Lebensstil für die Gesundheit ist. Während man früher einen großen Teil des körperlichen und seelischen Wohlergehens der genetischen Disposition zuschrieb, gewinnt die Forschung immer mehr Hinweise darauf, wie bedeutend die Epigenetik ist. Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass wir zwar Prägungen im Erbgut haben, diese aber wirksam werden können oder auch nicht.

Man stellt sich das vereinfacht vor wie einen Schalter, der auf („epi“) dem Gen sitzt. Steht der Schalter auf AN, wird die Gensequenz abgelesen und damit wirksam. Steht er auf OFF bleibt das Gen zwar wie es ist, wird aber nicht abgelesen. Wie wir leben hat Einfluss auf diesen Schalter. Und der Schalter hat seinerseits Einfluss auf unsere Lebensweise. Es besteht eine Wechselwirkung.

Die Medien vermitteln den Eindruck, man müsse nur gesund leben und schwupps schon seien die Epigene umgeswicht und wir würden so alt wie Methusalem. Ausgewogene Ernährung, ein bisschen Sport, genug Entspannung und bloß nicht rauchen – das klingt doch gar nicht so schwer. Als ob wir alle die gleichen guten Voraussetzungen hätten, unser Leben nach Belieben zu steuern. Das ist leider nicht so.

Willkommener Irrglaube

Wir halten kollektiv eine Illusion aufrecht. Wenn wir eingehender darüber nachdenken, wird uns schnell klar, dass Menschen auch in Deutschland unter unglücklichen Umständen aufwachsen, die ihre Resilienz, ihr Erleben von Selbstwirksamkeit und ihre seelische Gesundheit massiv beeinträchtigen. Und wenn wir dann die Erkenntnisse aus der Epigenetik erstnehmen, wird weiterhin klar, dass wir auch von unseren Ahnen Belastungen – sowohl genetische als auch epigenetische – in uns tragen, um die wir nicht gebeten haben. Die Belastungen sind individuell unterschiedlich ausgeprägt. Und ebenso unterschiedlich ist das Vermögen, unser Leben in die Hand zu nehmen.

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Eine klare Orientierung dient uns. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Warum ist uns die Illusion so wichtig? Sie vermittelt uns das falsche und gleichzeitig sehr willkommene Gefühl von Sicherheit und Kontrolle. Als stünde es in unserer Macht, wie gesund wir sind. Als läge es in unserem Ermessen, wie alt wir werden. Ja, fast so als könnten wir dem Tod ein Schnippchen schlagen. Diese kindliche Allmachtsfantasie ist für uns leichter zu handhaben als die Tatsache, dass wir wohl im Rahmen unserer persönlichen Möglichkeiten einen gewissen Einfluss ausüben können, den wir auch nutzen sollten, aber dass unsere Macht über das eigene Leben Grenzen hat und jedes Leben letztlich endet, egal wie gesund wir vorher gelebt haben. Zu gerne blenden wir Krankheit und Tod aus. Wenn wir gezwungen sind hinzusehen, geben uns lieber dem Irrglauben hin, wir wären selber schuld an unseren Maläsen als das Gefühl von Ohnmacht zu ertragen. Und noch attraktiver ist es, anderen die Schuld für ihre gesundheitlichen Probleme zuzuschieben als sich den eigenen Ohnmachtsgefühlen zu stellen.

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Recht und Gerechtigkeit.
Foto: Carlo Schrodt / pixelio.de

Analogie. Mir fällt in diesem Zusammenhang eine Studie ein: Die Ergebnisse von Gerichtsverhandlungen zum Thema sexuelle Gewalt wurden analysiert. Man wollte herausfinden, ob die These stimmt, dass weibliche Richter die Verdächtigen härter verurteilen als ihre männlichen Kollegen. Erstaunlicherweise war es genau umgekehrt! Die Richterinnen tendierten dazu, die Opfer als schuldig anzusehen und sprachen die mutmaßlichen Täter häufiger frei. Als mögliche Erklärung postulierten Psychologen, dass die Richterinnen leichter mit der Haltung leben, eine Frau wird nur dann vergewaltigt, wenn sie selbst diese Handlung provoziert. So können sie für sich selbst in der Illusion bleiben, ihnen passiere so etwas Schreckliches ganz sicher nicht. Was unsere Gesundheit angeht oder die unserer Mitmenschen, werden wir alle leider allzu rasch zu ungnädigen Richter*innen.

Verlorene Jahre?

In einem Beitrag des Spiegelmagazins zeigt eine Grafik, wie viele Lebensjahre wir durch Rauchen (mehr als 10 Zigaretten täglich), Fettleibigkeit (Body-Mass-Index BMI >30) und Alkohol (> 4 Gläser am Tag) etc. verlieren. Die Zahlen sind erschütternd.

Meinung. Ich persönlich glaube nicht, dass sich das individuelle Wohlfühlgewicht immer an BMI-Zahlen hält. Gleichwohl empfinden sich viele Menschen als zu dick. Alleine darüber könnte man eine Abhandlung schreiben. Schauen Sie vielleicht mal auf den Beitrag „Intuitiv essen“. Das Thema will ich an dieser Stelle nicht weiter vertiefen.

Keinem scheint aufzufallen, dass es sich hier um Suchterkrankungen handelt, die behandlungswürdig sind und ihre tieferen Ursachen haben.

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Alkoholsucht ist eine Krankheit, keine Charakterschwäche.
Foto: Petra Bork / pixelio.de

Statt jedem Dicken, Trinker oder Raucher seinen Zustand vorzuwerfen, als sei er Ausdruck einer verabscheuungswürdigen Charakterschwäche, wäre es zweckdienlicher sich zu fragen, woher das Problem rührt. Zigarettenrauch beispielsweise stinkt, er überschreitet Grenzen und gefährdet andere durch Passivrauchen, die Gesundheitsrisiken sind hinlänglich bekannt. Im gesellschaftlichen Ansehen ist der lässig rauchende Cowboy längst nicht mehr cool. Und unsäglich teuer ist das Rauchen auch noch. Warum fällt es vielen so schwer, auf den Glimmstängel zu verzichten? DAS ist eine Frage, die mich wirklich interessiert.

Eine mögliche Antwort habe ich beim Studium von Traumafolgen gefunden: Rauchen beruhigt. Es lindert Ängste. Aha. Ist die These da verwegen, dass wir vom hohen Ross herab Menschen verurteilen, die von ihrem Schicksal gebeutelt sind und eine ungesunde Kompensationsmöglichkeit gefunden haben? Nikotin ist bekanntlich ein Nervengift. Es mag Lebensläufe geben, in denen es erforderlich erscheint, die Nerven zeitweise nicht zu spüren. Ich beglückwünsche Sie zu Ihrem erfreulichen Leben, falls Sie sich das nicht vorstellen können.

Achtung und Demut

Mir begegnen immer wieder Biografien, die meine tiefe Ehrfurcht und Wertschätzung hervorrufen und bei denen ich mich wundere, wie ein Mensch so etwas überlebt. Dass die Betreffenden (unbewusst) nach Bewältigungsstrategien suchen, die Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringen, ist eher die Regel als die Ausnahme.

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Beim Essen werden beruhigende Hormone ausgeschüttet.
Foto: Kraftprotz / pixelio.de – nachgestellte Situation

Beruhigende Effekte hat übrigens auch das Essen. Während des Essens wird Oxitocin ausgeschüttet. Das Baby-Bindungs-Hormon beruhigt. Für manche ist Essen eine von wenigen Möglichkeiten, sich zumindest für einen kurzen Augenblick geborgen zu fühlen. „Sie müssen ein paar Pfund abnehmen, sonst gefährden Sie Ihre Gesundheit!“ hören solche Leute täglich von Heilpraktiker*innen, Ärzt*innen, Ernährungsberater*innen oder wohlmeinenden Nachbar*innen. Diese Aufforderung nützt ihnen gar nicht. Ganz im Gegenteil: Ihr Gefühl von „Ich kann nicht“ verstärkt sich mit jedem gescheiterten Diätversuch und untergräbt ihre angegriffene Selbstwertschätzung noch weiter.

Ebenso geht es den Alkoholkranken. Auch Alkohol ist ein Nervengift und zudem bietet der Rausch einen kleinen Urlaub von dem unverarbeiteten Horror. Auf keinen Fall will ich Alkohol als gute Bewältigungsstrategie anpreisen. Und doch ist es falsch, die Betroffenen – ausgesprochen oder nicht – als asoziale Säufer zu verurteilen. Alkoholabhängigkeit ist eine anerkannte Krankheit. Wäre es einzig eine Frage des Willens, die Sucht an den Nagel zu hängen, würden die meisten davon Gebrauch machen und das Problem würde sich in Luft auf lösen.

Nützlich ist eine mehrdimensionale Sicht der Dinge. Es braucht zuerst eine gute Strategie, um das Problem zu lösen, das hinter dem Rauchen, dem Übergewicht oder der Alkoholsucht liegt, bevor man das offenkundig selbstschädigende Verhalten bleibenlassen kann. Ja, wir können etwas tun. Aber so platt und einfach wie es klingt, ist es leider nicht immer.

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Auch die gesündeste Ernährung gibt keine Garantie.
Foto: Margot Kessler / pixelio.de

Praxisbeispiel: Ich erinnere mich an eine Patientin, die schon von klein auf nahezu ideal gesunde Weise ernährt worden war. Ihre Eltern haben ihr nur Bio-Lebensmittel gegeben, sie hat sich sportlich betätigt, war immer schlank gewesen, hat keinen Alkohol getrunken und hatte einen geregelten Alltag mit mäßiger Belastung durch ihren Teilzeit-Beruf, einen netten Ehemann und wohlgeratene Kinder. Dennoch war sie an Krebs erkrankt. Der Diagnoseschock bei Krebs zieht den meisten Menschen den Boden unter den Füßen weg. In der Regel haben sie rasch Pläne, was sie künftig ändern wollen, um an Ihrer Genesung mitzuwirken. Bei dieser Frau war die Tatsache, dass Sie TROTZ ihres (nahezu perfekt) gesunden Lebenswandels erkrankt war, das eigentliche Problem. Das stürzte sie in ein tiefes Loch und wir hatten alle Hände voll damit zu tun, Ihre Seelenlage zu stabilisieren.

Die Epigenetik lehrt uns, dass wir genetische Vorbelastungen durch gesunde Lebensweise ein Stück weit ausgleichen können. Sie lehrt uns aber auch, dass Belastungen nicht nur genetisch, sondern auch epigenetisch von Generation zu Generation weitergegeben werden. Wir sollten den Menschen helfen, ein Bewusstsein für Ihre individuellen Probleme zu entwickeln und sie dabei unterstützen, gute Lösungen zu finden, statt mit erhobenem Zeigefinger auf die ungesunden Lösungen zu zeigen, die sie selbst gefunden haben. Etwas mehr Achtung vor dem Einzelnen und seinem Schicksal, das wir nicht erkennen, wenn wir nur auf seinen Body-Mass-Index oder seine Zigarettenpackung starren, tut Not.

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Schauen Sie gnädig auf sich und Ihre Mitmenschen.
Foto: Elisabeth Patzal / pixelio.de

Individuelle Werte

Ich wünsche mir, dass wir den Menschen mit offenem Herzen begegnen. Auch und gerade wenn sie nicht so gut für sich sorgen, wie wir es für angemessen halten. Dass wir uns darüber bewusst werden, nicht über alle Informationen zu verfügen, die eine faire Bewertung der Situation erfordern würde. Auch wenn das heißt, dass wir uns unseren tiefen Ängsten stellen und das eigene Fragil-Sein anerkennen, statt auf eine unsinnige Unkapputbarkeit zu pochen, die es praktisch nicht gibt. Ich wünsche mir, dass wir an unserem seelischen und körperlichen Wohlergehen mitwirken, ohne dabei fanatisch zu werden. Ich wünsche mir, dass jeder das Recht zugesprochen bekommt, die Werte in seinem Leben frei zu wählen.

Der reflexhafte Ausspruch „Hauptsache gesund“ darf aus meiner Sicht infrage gestellt werden. Was in Ihrem Leben die Hauptsache ist, bestimmen nur Sie. Machen Sie aus dem „Ranking“ Ihrer Werte einen bewussten Prozess. Dann ist prinzipiell jede Wahl akzeptabel und die Auseinandersetzung damit dient der Persönlichkeitsentwicklung.

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Frei die eigene Zukunft gestalten. Foto: twinlili / pixelio.de

Natürlich dürfen Sie sich an Konzepten und gesellschaftlichen Konventionen orientieren. Aber das müssen Sie nicht. Sie sind der/die einzige, der oder die nur Sie sein können. Daraus resultiert Ihre prinzipielle individuelle Freiheit. Füllen Sie Ihr Ich-Sein mit den Inhalten, die für Sie stimmig sind. Das ist Ihr Geburtsrecht. Sie dürfen es in Anspruch nehmen. Viel Freude beim Entdecken Ihres Standpunkts und Ihrer Entwicklungspotenziale.

Leben – ohne Netz und doppelten Boden. Und wenn Sie sich darauf zubewegen, der Mensch zu sein, der Sie sein wollen, dann gibt Ihnen das keine Garantie für ein gesünderes Dasein oder eine bestimmte Anzahl von Lebensjahren. Aber mal ganz ehrlich: Wie wichtig ist der Zeitpunkt des Todes im Vergleich zu der Art, wie wir gelebt haben? Nützt es mir, drei Jahre länger so zu leben, wie es mir nicht entspricht? Beschreiten Sie beherzt den Weg zu sich selbst. Wie lange Sie dafür brauchen und wie viele Irrwege Sie gehen, ist weniger wesentlich als loszulaufen.

 

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Eine spannende Reise. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Intuitiv essen – dem Körper (wieder) vertrauen

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Gesunden Genuss kultivieren. Foto: Bernd Kasper / pixelio.de

Die meisten Menschen kennen das: Sie wünschen sich, ein paar Pfund Körpergewicht loszulassen. Für dieses Ansinnen gibt es vielfältige Gründe. Sinnvoll kann das sein, um sich in seinem Körper wohl zu fühlen oder um die Gesundheit zu unterstützen. Allerdings ist unser Wohlfühlen häufig geprägt von falschen Vorbildern und um das für die Gesundheit optimale Gewicht ranken sich allerlei Legenden. Manche Studien belegen, dass nicht die Anzahl der Kilos entscheidend ist, sondern hohe Schwankungen auf der Waage weniger vorteilhaft für die Gesundheit sind als Stabilität.

Seit ich mich mit Homöopathie beschäftige ist mir klar, dass es ganz unterschiedliche Typen gibt und dass die Grundstatur eines Menschen gottgegeben ist. Aus einer Marylin Monroe wäre keine Twiggy geworden, ganz gleich welche Diät sie gemacht und wie viel sie sich bewegt hätte. „Wer will das schon?“ werden Sie vielleicht fragen. Der Magerwahn hatte seinen Zenit in den 1990er Jahren erreicht, als Kate Moss im „Heroin Chic“ über den Laufsteg klapperte. Eine magersüchtige 14-Jährige als optisches Vorbild für erwachsene Frauen zu wählen, war nur die Spitze des Eisbergs.

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Einem Idealbild nachzulaufen, dient uns nicht.
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Orientieren Sie sich nicht an anderen. Aber orientieren Sie sich auch nicht an einem längst überholten Selbstbild. Sind Sie in den Wechseljahren und wollen Sie wieder aussehen wie mit 20? Vergessen Sie´s! Der Körper verändert sich im Laufe der Jahre. Das ist vollkommen normal. Sie haben keine andere Wahl, als das zu akzeptieren. Es sei denn Sie verfügen über ein dickes Scheckbuch und einen plastischen Chirurgen mit Geschäftssinn. Wo das endet, sehen wir bei so manchem Star oder Sternchen. Ja, es gibt sie, die Menschen, die nach einer Schönheits-OP mit sich zufrieden sind. Aber sie sind in der Minderzahl. In der Regel folgt eine Operation der nächsten solange das Geld reicht und sich ein skrupelloser Arzt findet. Oder der Frust wird noch größer als vorher, weil man auch mit der perfekt gestylten Nase, dem flachen Bauch, den dünneren Schenkeln etc. noch immer nicht aussieht wie Audrey Hepburn, Jane Fonda oder Pamela Anderson – geschweige denn sich so fühlt.

Spuren der Zeit. Von meinen Freundinnen höre ich immer wieder, dass ihre Figur unter der Schwangerschaft gelitten habe. Natürlich zehrt es Lebenskraft, wenn der Körper solch ein Wunder vollbringt. Aber ich kann Ihnen versichern, dass Sie auch ohne Baby gealtert wären. Selbst an kinderlosen Frauen und sogar an Männern nagt der Zahn der Zeit. Spätestens in den Wechseljahren zeigt sich das an der Gewebestruktur. Wenn man es tatsächlich schafft, die angestrebte Gewichtsreduktion zu erreichen, heißt das noch lange nicht, dass man damit besser ausschaut – insbesondere jenseits der 40.

90-60-90 und andere Märchen. Falls Sie Gewicht verlieren wollen, um dem gängigen Schönheitsideal näher zu kommen, kann ich Ihnen davon nur abraten. Versuchen Sie nicht, jemand zu sein, der Sie nicht sind. Gesetzt der Fall, Sie könnten tatsächlich den gewünschten Body-Mass-Index, die angepeilte Kleidergröße, den idealen Körperfettanteil oder das Wunschgewicht erreichen: Die Chancen stehen hoch, dass Sie dann noch immer keinem Schönheitsideal entsprechen. Warum dann so viel Energie darauf richten, in diesem Punkt einem Wunschtraum hinterherzulaufen, für den Sie nicht gemacht sind?

Die wenigsten von uns haben die Anlagen für sogenannte Idealmaße von 90-60-90. Schon allein an diesem Daten sieht man auf den ersten Blick: Hier handelt es sich um eine X-Figur (Schultern bzw. Oberweite und Hüften gleich breit, Taille deutlich schmaler). Sie haben aber mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht den dafür entsprechenden Körperbau. Denn es gibt noch viele andere Erscheinungen. Vielleicht sind Sie ein A-Typ (schmale Schultern, breite Hüften), oder der H-Typ (oben und unten schmal, keine deutliche Taille) oder der O-Typ (schmale Arme und Beine, starke Mitte) oder ein Y-Typ (schmale Hüften, breite Schultern) oder, oder, oder. Die Natur hat den Menschen mit einer ganzen Reihe von unterschiedlichen Körpermerkmalen ausgestattet. Evolution basiert auf Vielfältigkeit. Das ist gut und richtig so.

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Hilfreich ist es, ein realistisches Bild von sich selbst zu haben.
Foto: C.Kleger / pixelio.de

Wieder ich selbst. So viel Vorrede braucht es, um Ihre Motivation auf den Prüfstand zu stellen. Schauen Sie in den Spiegel und denken Sie so etwas wie: „Das bin ich nicht. Bevor ich mit dem ganzen Diäten-Wahnsinn begonnen habe, habe ich mir besser gefallen.“ Oder „Bevor meine Schilddrüse schlapp gemacht hat, war ich ganz anders.“ Oder „Vom Kummerspeck seit dem letzten Verlusterlebnis will ich mich befreien.“ Dann sind Sie hier richtig! Die Ernährungsweise, über die ich schreiben will, hilft Ihnen nicht beim Schlankwerden. Sie bringt Sie zurück zu Ihrer von Natur aus für Sie gedachten Figur.

Das funktioniert verblüffend gut, wenn Sie mit sich selbst und ihrem Körper in Kontakt sind. In vielerlei Hinsicht ist es erstrebenswert, sich zu spüren, seinen Körper und die Signale, die er aussendet, wahr und ernst zu nehmen. Das ist generell ein Weg zu mehr Lebensqualität, Gesundheit und Vitalität. Daher lohnt es sich sehr, in dieses Ziel Zeit, Energie und Aufmerksamkeit zu investieren.

Die Gralssuche. Das Thema Ernährung ist ein Garant für Zuhörer in Vorträgen, für hohe Auflagen bei Zeitschriften und unzählige Klicks bei Online-Veröffentlichungen. Offensichtlich wollen viele Leute wissen, wie sie sich ernähren sollen. Haben Sie sich darüber schon einmal Gedanken gemacht? Wir finden es normal, dass uns jemand sagt, was wir wann und wie zu essen haben. Wir betteln regelrecht darum. Wenn Ihnen Ihr Partner mit solcher Penetranz Empfehlungen für derart persönliche Lebensentscheidungen geben wollte, würden sie diese von sich weisen und wären empört – zu Recht! Dass aber wildfremde Menschen über Ihre Ernährung entscheiden, das lassen Sie sich gefallen. Warum ist das so?

Unerreichbar schön. Tagtäglich bekommen wir ein Ideal vor Augen gehalten, das für 98 % der Bevölkerung nicht erreichbar ist. Das hat System. Hier wird ein Bedürfnis erzeugt. Wir wollen alle so glücklich und schlank und fidel sein wie die Menschen, die wir in der Werbung, in den Filmen, in den Magazinen ständig sehen. Das ist gut für die Wirtschaft. Wir kaufen Bauch-Weg-Unterwäsche, Eiweißdrinks, lesen Ratgeber, buchen Ernährungs-Coachings, rennen in Fitness-Studios und zum Treffen einer Abnehm-Gruppe. Millionen Euros geben wir alle jährlich für eine Illusion aus. Und wir richten unsere Aufmerksamkeit darauf, statt uns um Dinge zu kümmern, die vielleicht weitaus wichtiger und ganz sicher hoffnungsfroher wären. Möglicherweise ist das die moderne Brot-und-Spiele-Version fürs Volk. Auf jeden Fall werden wir manipuliert, sobald wir den Fernseher einschalten. Und dann geht das Bemühen los. Wir stellen unseren Speiseplan um – auf vegan, auf low carb, low fat, auf Trenn- oder Rohkost. Wir essen nur noch vor 18 Uhr oder nur danach, reglementieren die Anzahl der Mahlzeiten, takten die Nahrungsaufnahme nach der Uhr, zählen Kalorien oder Punkte. Und je mehr wir uns an die Vorschriften halten, desto weniger haben wir damit Erfolg. Das stimmt nicht ganz. Es gibt natürlich immer Leute, die genau diejenige Kostform finden, welche ihren natürlichen Bedürfnissen optimal entspricht. Diese wenigen sind dann damit erfolgreich und werden als Gallionsfigur präsentiert. „Schaut her, ich habe es geschafft, das können auch Sie schaffen!“ Die ansonsten in allen Lebensbereichen viel gepriesene und mit Vehemenz geforderte Individualität wird einfach unter den Tisch fallen gelassen. Ja, wie doof sind wir denn?

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Etwas Humor macht den Umgang mit dem Körper leichter.
Foto: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

Wir sind nicht doof, wir sind verunsichert. Weil wir etwas nicht schaffen, was nicht zu schaffen ist, fühlen wir uns unfähig. Wir denken, wir könnten nicht selbst entscheiden, wie wir uns ernähren sollen und bräuchten einen Guru. Jemanden, der uns genau sagt, was wir tun sollen. Daher ist es dringend notwendig, dass wir das Vertrauen in unseren Körper wiederfinden. Nicht in einer Ernährungslehre, die sich irgendwer ausgedacht hat, sondern in uns selbst liegen die Wahrheit und der Weg zu einer für uns individuell passenden Kostform.

Schon vor Jahren habe ich in einem Interview von „sensorischer Intelligenz“ gesprochen. Gemeint ist damit, dass der Körper durch den Appetit anzeigt, was er braucht. Das ist allerdings nur ein Teil des Puzzles. Als ich Anfang dieses Jahres vom Konzept „Intuitives Essen“ gehört habe, habe ich dort meine alten Ideen wiedergefunden – ergänzt um neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Was ich da hörte, fühlte sich für mich vom ersten Moment stimmig an. Mit dem Körper zu arbeiten und nicht gegen ihn. Ja, anders geht es auch nicht. Zumindest nicht auf Dauer.

Intuitives Essen beruht auf ein paar wenigen Grundsätzen, die ich Ihnen hier erläutern werde. Sie klingen für mich alle vernünftig, praktisch umsetzbar – und teilweise sogar ausgesprochen attraktiv!

Motivation und Zielsetzung

Sie brauchen wie bei allen Gewohnheitsumstellungen im Leben eine ausreichende Motivation und ein klares Ziel. Die Motivation hat etwas mit Ihnen in der Tiefe zu tun. Sie kann sich um sehr persönliche Dinge drehen, auch wenn es vordergründig darum geht, den Hüftumfang zu reduzieren. Finden Sie heraus, warum Sie eigentlich intuitiv essen wollen. Fassen Sie ein klares Ziel ins Auge. Arbeiten Sie es aus, schreiben Sie es auf. Prüfen Sie es auf Realitätsbezug und Sinnhaftigkeit.

Allein über Motivation und Zielsetzung könnte man einige Seiten verfassen. Auf diese Themen will ich hier aber nicht im Detail eingehen. Das würde den Rahmen sprengen. Erwähnen will ich sie dennoch. Ohne sie geht es nicht.

Sie finden viele Ratgeber, wie man sich seinen persönlichen Zielen erfolgreich nähern kann. Sie können einen Coach oder Therapeuten buchen, der zu Anfang Impulse setzt oder Sie auf dem kompletten Weg begleitet. Vielleicht ist Ihnen auch schon lange klar, welche persönliche Motivation Sie antreibt und welche Ziele daher für Sie erstrebenswert sind. Umso besser. Dann legen Sie direkt los!

Essen Sie, wenn Sie Hunger haben.

Das hört sich erst mal ganz einfach an. Ist es aber nicht.

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Gesundes kann so lecker sein! Foto: Jan Claus / pixelio.de

Hunger oder Durst? Manchmal glauben wir, wir hätten Hunger, weil wir Durst haben. Wasser ist für den Organismus lebenswichtig. Alle Zellen schreien danach, wenn wir zu wenig trinken. Es kann schwierig sein, die beiden Grundbedürfnisse auseinanderzuhalten. Zur Unterscheidung empfehle ich, einfach etwas Wasser zu trinken und nach ein paar Minuten nochmal nachzuspüren, ob der „Hunger“ noch da ist. Achten Sie generell auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Auch sie ist individuell verschieden. Aufschluss kann hier ein Blick auf die Blutgruppe (0 braucht am meisten Flüssigkeit) oder in die Elemente-Balance nach Dr. Peter Vill bringen: Menschen mit Wasser-Überschuss kommen mit weniger aus, vor allem Frauen – es sei denn, sie haben Blutgruppe 0.

Gesüßte Getränke betrachten wir beim intuitiven Essen wie feste Nahrung.

Körperhunger oder Seelenhunger? Es kommt relativ häufig vor, dass nicht unser Körper, sondern unsere Seele Hunger hat. Dann trösten wir uns mit Süßigkeiten oder wir bauen Stress ab, indem wir etwas knabbern. Zur Differenzierung gibt es ein paar wichtige Merkmale:

Körperhunger zeigt sich körperlich: Der Magen knurrt oder wir fühlen uns schwach oder uns ist kalt oder ähnliches. Er kommt langsam und steigert sich. Heißhunger, der uns plötzlich überfällt, ist in der Regel Seelenhunger. Dieser ist sehr spezifisch. Das heißt, wir brauchen dann beispielsweise unbedingt Schokopudding oder Salami. Essen wir etwas anderes, ist das unbefriedigend. Bei richtigem Körperhunger haben wir möglicherweise auch Appetit auf etwas Spezielles. Er lässt sich aber prinzipiell mit vielen verschiedenen Nahrungsmitteln stillen. Geruchs- und Geschmackssinn sind geschärft, wenn unser Körper Hunger hat. Dann läuft uns schon beim Duft der Speisen das Wasser im Munde zusammen und wir erleben beim Essen eine genussvolle Geschmacksexplosion auf der Zunge. Das hat die Natur klug eingerichtet.

Wenn Ihr Körper Hunger hat: Essen Sie! Das verlangt manchmal nach ein bisschen Weitsicht und Planung. Beispielsweise wenn Sie reisen, oder wenn Sie bei der Arbeit an bestimmte Pausenzeiten gebunden sind. Dann halten Sie beispielsweise eine Kleinigkeit wie einen Apfel oder Müsliriegel für den 11-Uhr-Hunger breit, so dass Sie eine Stunde später wieder richtig hungrig sind, wenn die Kantine öffnet.

Disziplin und Geduld. Wenn wir gelernt haben, beide Formen von Hunger zu unterscheiden, braucht es Beharrlichkeit, um die Gewohnheiten zu ändern. Für den Stressabbau eine Runde um den Block zu laufen, eine Meditationsübung zu machen oder sich Tierbilder anzusehen, können gute Alternativen sein. Sicher fallen Ihnen noch mehr Ideen ein. Nun braucht es Disziplin einerseits und Geduld anderseits bei der Umsetzung. Und am Wichtigsten: Üben Sie Gnade mit sich selbst. Sie werden vermutlich nicht sofort alles perfekt beherzigen können, was Sie hier lesen. Loben Sie sich bitte für jeden Fortschritt und jedes Gelingen.

Das Prinzip Hoffnung. Unsere innere Haltung ist wichtig, mit der wir eine Sache angehen. Ein „Gewinner-Mindset“, so wissen die Erfolgsforscher, blickt auf das Positive und bleibt zuversichtlich, auch wenn einmal etwas schiefgeht. Das ist natürlich auch eine Typfrage und lässt sich nicht so ohne Weiteres für jeden optimieren. Doch auch Sie können Ihren Blick für den Teil der Wahrheit weiten, der erfreulich ist und gut läuft. Die Einstellung, dass wir es schaffen können, ist in jedem von uns angelegt, sonst hätten wir niemals laufen gelernt, sondern wären nach dem xten Hinfallen einfach sitzen geblieben.

Hören Sie mit dem Essen auf, wenn Sie satt sind.

Das geht nur, wenn Sie bei Körperhunger gegessen haben. Denn wir stellen nur Sättigung fest, wenn vorher Hunger da war. Er hört dann nämlich auf. Das ist der wesentliche Hinweis. Doch es gibt noch andere Anhaltspunkte, wie man merkt, dass man satt ist. Man ist übrigens nicht automatisch dann satt, wenn der Teller leer ist. Viele von uns sind so erzogen, dass man seinen Teller leer machen muss. Das führt oft dazu, dass wir mehr essen als uns gut tut.

Selbstbestimmung. Zur Problemlösung gibt es verschiedene Strategien. Denken Sie „Pfeif drauf!“ und freuen Sie sich über Ihre Entscheidungsfreiheit als erwachsene Frau oder erwachsener Mann. In der Theorie sollte es so leicht sein. In der Praxis ist die Bindung an unser Familiensystem mit all seinen Glaubenssätzen häufig stärker als unser sogenannter freier Wille. Ein friedlicher Beisatz wirkt manchmal Wunder, z.B. „Danke, liebe Eltern, für die gute Absicht. In Eurem Leben war es wichtig, den Teller leer zu essen. Wir leben jetzt im 21. Jahrhundert. Der Krieg ist vorbei. Ich esse ab jetzt so viel wie meinem Körper gut tut.“

Essen Sie langsam. Die Meldung über den Sättigungsgrad aus dem Verdauungssystem ans Gehirn braucht Zeit. Wenn wir zu schnell essen, merken wir erst, dass wir satt sind, wenn wir längst zu viel gemampft haben. Daher ist es essenziell wichtig, langsam zu essen. Manchen hilft es, ihre Kaubewegungen zu zählen. Wenn Ihnen das zusagt: Machen Sie es so, aber bitte passen Sie auf, dass Sie nicht zwanghaft werden. Anderen hilft es, mit einer kleinen Kuchengabel zu speisen. Auch kann es hilfreich sein, das Besteck immer mal wieder abzulegen und in einer kleinen Esspause aufmerksam nachzuspüren, ob der Körper noch etwas braucht.

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Nehmen Sie sich Zeit. Foto: Timo Klostermeier / pixelio.de

Keine Chance, auf ihr natürliches Sättigungsgefühl zu hören, haben übrigens Menschen, die regelmäßig appetitanregende Substanzen zu sich nehmen. Das gilt für manche Medikamente (z.B. Cortison in hohen Dosen) ebenso wie für bestimmte Zusatzstoffe in der Nahrung (Mononatriumglutatmat).  Während Medikamente nicht einfach abgesetzt werden können, weil man sich intuitiv ernähren möchte, sind Zusatzstoffe weitgehend vermeidbar.
Mononatriumglutamat trägt die Bezeichnung E621. Es verbirgt sich aber auch hinter der harmlos klingenden Umschreibung “Hefeextrakt” oder es wird als “natürlicher Geschmacksverstärker” tituliert. In Experimenten hat sich gezeigt, dass Tiere schneller fressen, insgesamt mehr Nahrung zu sich nehmen und infolgedessen rasch Gewicht zulegen, wenn man ihnen Mononatriumglutatmat ins Futter mischt. Der Zusatzstoff spart den Nahrungsmittelherstellern echte (teurere) Gewürze und soll den Geschmacksverlust durch Konservierung und lange Lagerung ausgleichen. Daher ist er in vielen Fertigprodukten, in Kantinenessen und in Restaurantspeisen oft enthalten. Studieren Sie die Angaben zu den Inhaltsstoffen. Besonders häufig findet sich Mononatriumglutamat als Geschmacksgeber überflüssigerweise in Gemüsebrühe – selbst von Bio-Herstellern. Wählen Sie eine “hefefreie” Variante.

Konzentration aufs Wesentliche. Ungünstig ist es, beim Essen noch irgendetwas anderes zu tun. Das Lesen Ihrer WhatsApp Nachrichten, der Fernsehkonsum oder das Studium der Zeitung lenken Sie vom Genuss ab, Sie verpassen den Sättigungsmoment oder missbrauchen das Essen zum Stressabbau. Führen Sie bitte auch keine aufregenden Diskussionen oder gar Streitgespräche bei Tisch. Diese Form der Exklusivität dient der Verdauung und der Gesundheit im Allgemeinen. Wenn Sie befürchten, Ihre neuen Gewohnheiten könnten Ihr Umfeld irritieren, kündigen Sie an, dass Sie sich während des gemeinsamen Mahls in erster Linie auf die Speisen konzentrieren werden. Bleiben Sie nach dem Essen noch etwas sitzen und klinken Sie sich dann in die Konversation ein.

Essen Sie beim Essen. Schmecken Sie, was da an Ihrem Gaumen vorbei wandert. Genießen Sie das Erlebnis. Vielleicht schließen Sie die Augen. Freuen Sie sich über das Aroma. Bemerken Sie das Knuspern oder das zarte Schmelzen der Speisen in Ihrem Mund. Werden Sie zum Gourmet.

Kleine Portionen. Ein unterstützender Trick kann es sein, einen kleineren Teller zu wählen. Nehmen Sie sich Ihr Essen grundsätzlich selbst. So bestimmen Sie über die Menge. Vielleicht werden Sie verwundert sein, mit wie wenig Essen Sie glücklich und satt sein können. Lassen Sie liegen, was Ihr Körper jetzt nicht braucht. Bewahren Sie es für später auf oder tun Sie es weg, auch wenn Sie das anfangs etwas Überwindung kosten wird.

Essen Sie nur, worauf sie Lust haben

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Auf die Dosis kommt es an. Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Haben Sie sich da verlesen? Nein! Sie dürfen nicht nur, sondern Sie sollen ausdrücklich das essen, wonach Ihnen ist. Jetzt kommt die sensorische Intelligenz ins Spiel. Wenn wir uns vorher nicht mit tausend Verboten alles Ungesunde durch Verzicht attraktiv gemacht haben, wird unser Körper durch den Appetit anzeigen, was er braucht.

Und was wenn doch? Dann essen Sie es. Es ist völlig normal, dass Sie sich erst mal das holen, was Sie entbehrt haben. Glauben Sie mir: Sie werden nicht vier Wochen am Stück täglich Pizza wollen. Und durch die Sättigungsregelung werden Sie sich daran ja auch nicht überfuttern. Nach einer überschaubaren Umstellungsphase werden Sie zu einer für Ihren Körper passenden ausgewogenen Ernährung kommen. Falls Sie ein großes Verlangen nach einem bestimmten Lebensmittel haben, kann das ein Ausgleichsversuch für einen speziellen Nährstoff sein. Gelüstet Ihnen beispielsweise nach Austern, fehlt womöglich Zink, bei Sesam-Japp Selen und so weiter.

Grundversorgung sichern. Als gute Unterstützung zur Ernährungsumstellung hat es sich in der Praxis bewährt, kurmäßig über drei Monate hinweg ein breitgefächertes Nährstoffpräparat einzusetzen. Sonst besteht die Gefahr, dass ein bestimmter Nährstoffmangel die Auswahl Ihrer Lebensmittel bestimmt und es dadurch zu einer einseitigen Ernährung kommt, die wiederum andere Defizite aufbaut. Unsere Böden sind überdüngt und durch Monokulturen ausgebeutet, daher sind unsere Lebensmittel nicht mehr so nährstoffreich wie noch vor 50 Jahren. Auch halten wir uns weniger im Freien auf, dadurch fehlt den meisten Menschen hierzulande beispielsweise Vitamin D. Theoretisch kann man viele Nährstoffmängel anhand von Blutwerten ermitteln. Ohne konkreten Verdacht nach dem Schrotschussprinzip Laborwerte bestimmen zu lassen, ist allerdings aufwändig und teuer. Außerdem gibt es Nährstoffe, deren Status nicht sinnvoll aus dem Blutwert abgeleitet werden kann.

Wenn Sie sich für ein Nahrungsergänzungsmittel entscheiden: Vermeiden Sie künstliche Süßungsmittel. Sie sind für ihre appetitanregende Wirkung bekannt. Leider finden sich Sorbit, Aspartam & Co. sogar in manchen hochpreisigen Nahrungsergänzungen aus der Apotheke. Ich empfehle aus eigener Erfahrung den schmackhaften Saft der Marke LaVita und nehme selbst täglich 1 bis 2 Esslöffel in Wasser aufgelöst zu mir. Der Wettbewerber Cellagon stellt ebenfalls qualitativ gute Multipräparate zum ähnlichen Preis her. Probieren Sie aus, was Ihnen besser schmeckt und bekommt.

Achten Sie auf die Bekömmlichkeit

Da ist er ja: der Haken an der Sache. Etwa eine Stunde nach dem Essen spüren Sie aufmerksam in sich hinein, wie es Ihnen bekommen ist. Falls Sie es nicht gut vertragen haben, lernen Sie daraus. Nicht, was jemand meint, was Sie nicht essen sollten, ist der Maßstab. Nur, was Ihr Körper will oder nicht will, beeinflusst die Nahrungsauswahl. Meiden Sie Lebensmittel, die Ihnen schaden. Es wird noch genügend andere geben, die Ihnen schmecken und gut bekommen.

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Auf den Bauch hören – auch im ganz körperlichen Sinne.
Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

Allergien und Unverträglichkeiten. Verzögerte allergische Reaktionen können bei der Nahrungsauswahl zusätzlich von Bedeutung sein. Man kann sie durch einen Bluttest ermitteln. Wählen sie ein Testverfahren, das per Ampel-System anzeigt, wie heftige die Reaktion ist, um dann zunächst die mit Rot gekennzeichneten Speisen konsequent zu meiden. Beachten Sie, dass Nahrungsmittelallergien und –unverträglichkeiten nicht in Stein gemeiselt sind. Es lohnt sich, nach einiger Zeit einen erneuten Test zu machen. Die gängigen Pricktests, die von der Reaktion der Haut am Rücken oder Arm auf die Verträglichkeit der Lebensmittel im Darm schließen wollen, haben nur beschränkte Aussagekraft.

Es sich gut gehen lassen. Das kann eine sehr grundsätzliche Entscheidung sein und andere Lebensbereiche beeinflussen. Möglicherweise gehören Sie zu den Menschen, die sich selbst mehr oder weniger bewusst Schaden zufügen. Dann holen Sie sich Hilfe. Autodestruktion hat viele Gesichter. Ich habe in der Praxis oft erlebt, dass beispielsweise alleingeborene Zwillinge für zwei arbeiten oder für zwei essen. Oder dass Menschen Schwierigkeiten damit haben, es sich gut gehen zu lassen, wenn das Schlechtgehen in ihrer Familie Tradition ist. Solche Hintergründe erfordern professionelle Unterstützung. Und das Gute: Die so angestoßenen Entwicklungen kommen nicht nur Ihrem Essverhalten, sondern Ihrer kompletten Lebensqualität zugute. Auf diese Weise kann ein scheinbar banales Thema wie das Essen zu wesentlichen Veränderungen im Leben führen.

Meine persönliche Erfahrung

So, und nun komme ich mit einer „Ich hab´s geschafft“-Aussage: Glücklich und satt habe ich im Jahr 2018 mehr als 7 Kilogramm Körpergewicht abgenommen, ohne mich dafür auch nur im Allergeringsten anzustrengen, geschweige denn auf irgendetwas zu verzichten. Das Gewicht hielt sich von ganz allein monatelang. Nur das aufmerksame und konsequente Lauschen auf den Körper war notwendig. Ein paar der Pfunde kamen 2019 zurück, als andere Themen meine Aufmerksamkeit in Beschlag nahmen. Das schreckt mich aber gar nicht. Jetzt weiß ich ja, wie´s geht und kann mich wieder mehr auf meinen Körper konzentrieren, sobald die Situation sich entspannt. Natürlich habe ich durch meine Arbeit mit Somatic Experiencing viel Übung darin, meinen Körper zu spüren. Das hilft. Doch auch das Körperbewusstsein kann man schulen, wenn man will.

Machen Sie sich frei von fremden Gurus, folgen Sie Ihrer Körper-Intelligenz und vertrauen Sie auf Ihre innere Weisheit. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, spannende Erkenntnisse über Ihr wahres Wesen und einen guten Kontakt zu sich selbst.

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Guten Appetit! Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Weitere Infos
“Intuitiv abnehmen – zurück zu natürlichem Essverhalten” Elyse Resch, Evelyn Tribole, Goldmann 2014

Was Sie schon immer über Heilpraktiker*innen wissen wollten…

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Glauben Sie nicht alles, was Sie lesen!
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de – nachgestellte Situation

In wessen Hände wir vertrauensvoll unsere Begleitung in Richtung körperliche und/oder seelische Gesundheit legen, ist eine wichtige Entscheidung. Natürlich wollen wir uns darauf verlassen, dass unser*e Behandler*in kompetent in der Sache und als Mensch integer ist.

In der Öffentlichkeit besteht Verwirrung darüber, welche Qualifikation Heilpraktiker*innen tatsächlich haben. Daher möchte ich hier für ein wenig sachliche Aufklärung sorgen. Sie finden auf dieser Seite Antworten zu folgenden Fragen:

    • Welche Qualifikation hat ein*e Heilpraktiker*in?
    • Welche staatliche Einrichtung stellt die Qualifikation der HP sicher?
    • Und wie wird vermieden, dass jemand eine “Gefahr für die Volksgesundheit darstellt”?
    • Worin sind Heilpraktiker*innen ausgebildet?
    • Wer darf in Deutschland eigentlich Patient*innen therapieren?
    • Was heißt das: “therapieren”?
    • Wer ist befugt, Psychotherapien durchzuführen?
    • Wo sind die gesetzlichen Grenzen der Heilpraktiker*innen?
    • Welche historischen Wurzeln haben die Ressentiments zwischen den Berufsgruppen?
    • Und wie kann man ihnen wirksam begegnen?
Welche Qualifikation hat ein*e Heilpraktiker*in?

In der Presse geistern irreführende Meldungen umher, man müsse nur Hauptschulabschluss haben und 25 Jahre alt sein, und schon sei man Heilpraktiker*in. Was daran der Wahrheit entspricht: Es gibt Mindestvoraussetzungen für die Zulassung zur Prüfung. Sie ersetzen aber keineswegs die Prüfung, sondern sind nur Anforderungen, die schon vor dem Beweis der persönlichen und medizinischen Qualifikation erfüllt sein müssen. Darunter übrigens auch ein aktuelles straffreies amtliches Führungszeugnis und ein aktuelles ärztliches Zeugnis über die geistige und gesundheitliche Eignung zur Berufsausübung.

So viel zur Richtigstellung der lückenhaften Berichterstattung. Nun wenden wir uns den Fakten zu, die für Sie als Patient von Interesse sein können:

Welche staatliche Einrichtung stellt die Qualifikation der HP sicher?

Und wie wird vermieden, dass jemand eine “Gefahr für die Volksgesundheit darstellt”?

Der Begriff Heilpraktiker*in ist in Deutschland rechtlich geschützt. Nur wer eine amtsärztliche Prüfung vor dem Gesundheitsamt erfolgreich besteht, darf diese Bezeichnung führen. Es obliegt also dem Staat, die Bevölkerung vor den Gefahren von medizinischem Halbwissen, Scharlatanerie und Quacksalberei zu schützen. Diese Funktion üben die Gesundheitsämter gewissenhaft aus: 80 % der Prüflinge fallen durch. Sie erhalten folglich auch keine Zulassung als Heilpraktiker*in, dürfen sich nicht als Heilpraktiker*in bezeichnen und keine Behandlungen an Patient*innen vornehmen. Wer gegen dieses Gesetz verstößt begeht eine Straftat, die rechtliche Konsequenzen hat.

Die staatliche Erlaubnisurkunde erhalten geprüfte Heilpraktiker*innen als amtliches Dokument, das sie zur Berufsausübung legitimiert, erst nach dem Bestehen ihrer schriftlichen und mündlichen Prüfung. Die Urkunde muss für Patient*innen sichtbar in der Praxis ausgehängt werden bzw. ausliegen.

Und so schaut eine Erlaubnisurkunde aus.

Die Heilpraktikerprüfung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Der Theorieteil wird bundesweit zeitgleich mit identischem Inhalt durchgeführt. Die schriftlichen Prüfungen aus den vergangenen Jahren  sind im Internet veröffentlicht. 75 % der Fragen müssen präzise korrekt beantwortet werden. Nur dann wird man überhaupt zur mündlichen Prüfung zugelassen. Der Multiple-Choice-Test dient dem ersten “Aussieben” von Kandidaten, denen es an Fachwissen mangelt bzw. die ihre Kenntnisse nicht auf den Punkt bringen können oder nicht im erforderlichen Maße stressresistent sind.

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Beim Multiple Choice Test fallen 80 % der Anwärter*innen durch.
Foto: S. Hofschlaeger / pixelio.de

Im praktischen Teil ermittelt ein Amtsarzt oder eine Amtsärztin in einem Gespräch, ob die fachliche und persönliche Qualifikation des Prüflings ausreichend ist, um ihm die weitreichenden Kompetenzen zu übertragen, die mit dem verantwortungsvollen Beruf des Heilpraktikers/der Heilpraktikerin einhergehen. Die Amtsärzt*innen prüfen die fachliche und persönliche Eignung der Anwärter*innen. Insbesondere geht es darum herauszufinden, ob sich der/die angehende Heilpraktiker*in seiner bzw. ihrer persönlichen, fachlichen und gesetzlichen Grenzen bewusst ist, damit er “keine Gefahr für die Volksgesundheit darstellt”. Auch ein*e Heilpraktiker*in ist als Beisitzer*in bei der mündlichen Prüfung zugegen, die Gesprächsführung in der Heilpraktikerprüfung obliegt aber dem*der akademisch graduierten Mediziner*in.

Worin sind Heilpraktiker*innen ausgebildet?

Die Forderung nach einer einheitlichen Ausbildung der Heilpraktiker*innen ist einerseits berechtig. Es gibt keine Berufsordnung, welche die Ausbildung inhaltlich regelt. Andererseits ist der inhaltliche Rahmen automatisch durch die Kenntnisse definiert, die in der Prüfung abgefragt werden.

Inhalte der Heilpraktikerprüfung sind im Speziellen:

    • Berufs- und Gesetzeskunde
    • Grenzen und Gefahren diagnostischer und therapeutischer Methoden des Heilpraktikers
    • Grundkenntnisse in Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie
    • Grundkenntnisse der allgemeinen Krankheitslehre
    • Erkennung und Erstversorgung akuter Notfälle und lebensbedrohlicher Zustände
    • Technik der Anamneseerhebung
    • Methoden der unmittelbaren Patientenuntersuchung
    • Praxishygiene, Desinfektion und Sterilisation
    • Injektions- und Punktionstechniken
    • Blutabnahme
    • Bedeutung grundlegender Laborwerte

Beispiel zum Umfang der Heilpraktikerausbildung 

  • Der Aufwand in Zeit lag bei meiner Ausbildung bei 800 Präsenzstunden (Unterricht) verteilt über 30 Monate. Hinzu kommen die Zeiten der Vor- und Nachbereitung, des Lernens und der Prüfungsvorbereitung. Meine Heilpraktikerschule schätzt, dass man ca. insgesamt 1.330 Stunden investieren muss, um eine realistische Chance zu haben, die Prüfung zu bestehen.
  • Der finanzielle Aufwand für diese Ausbildung beläuft sich derzeit auf 6.900 Euro plus Reisekosten, Fachliteratur, Prüfungsgebühren etc.

Die Ausbildung bereitet primär auf die Heilpraktikerprüfung vor. Parallel dazu oder anschließend absolvieren die Kolleg*innen Fortbildungen in diagnostischen und therapeutischen Verfahren. Jede*r Heilpraktiker*in wählt frei, auf welche Verfahren er oder sie sich spezialisieren will. Manche bleiben bei einer Methode, z.B. Osteopathie oder Traditionelle Chinesische Medizin, andere eignen sich ein breites Spektrum an Methoden an. Beide Strategien haben Vor- und Nachteile.

Für Heilpraktiker*innen gibt es bis dato keine vorgeschriebenen Fortbildungspunkte wie z.B. für Ärzt*innen, Psycholog*innen und Apotheker*innen. Das kann man kritisieren. Andererseits stützen sich die meisten Naturheilmethoden größtenteils auf jahrhundertealte Erfahrungsheilkunde im Gegensatz zur Schulmedizin, bei der sich das Wissen rasant weiterentwickelt. Die Notwendigkeit, am Puls der Zeit zu bleiben, ist für Ärzt*innen und Heilpraktiker*innen – je nach Methodenspektrum – also unterschiedlich.

Beispiel zum Umfang der Fortbildung

Meinen Zeitaufwand für solche Zusatzqualifikationen im Nachhinein zu schätzen, ist leider nicht möglich. Den finanziellen Aufwand habe ich ermittelt, damit Sie eine Vorstellung vom Umfang bekommen: Von 2006 bis 2016 habe ich in meine Qualifikation für naturheilkundliche und psychotherapeutische Fortbildungen rund 30.000 Euro investiert.

Einige meiner Fortbildungen habe ich gemeinsam mit Ärzt*innen, Psycholog*innen und/oder Apotheker*innen absolviert, die dafür Fortbildungspunkte erhalten haben.

Wer darf in Deutschland Patient*innen therapieren?

Wer in Deutschland Patient*innen therapieren darf, ist klar geregelt: Ärzt*innen und Heilpraktiker*innen sind dazu im Rahmen der Gesetze und vor allem ihrer fachlichen Qualifikationen befugt. Andere Berufsgruppen dürfen Patient*innen nur dann behandeln, wenn eine ärztliche Verordnung oder das Rezept eines Heilpraktikers vorliegt.

Eine Besonderheit in unserem Berufsstand sind die sogenannten sektoralen Heilpraktiker*innen. Die Zulassung dieser Kolleg*innen bezieht sich ausschließlich auf ihr Fachgebiet, z.B. Heilpraktiker*in für Psychotherapie und Heilpraktiker*in für Physiotherapie.

Akademiker*innen, die Psychologie studiert haben oder sich durch andere Studiengänge wie Soziale Arbeit und therapeutische Zusatzqualifikationen auf ihren Beruf als Therapeut*in vorbereitet haben, sind hochqualifiziert. Eine Zulassung zum Therapieren besitzen sie allerdings noch nicht. Diese muss nach dem Studium oder parallel dazu auf separaten Wegen erlangt werden. Einer dieser Wege ist, die Prüfung als Heilpraktiker*in für Psychotherapie zu bestehen.

Gesundheitscoaches, Gesundheitsberater*innen oder Naturheilkundeberater*innen beraten ihre Klienten zum Zweck der Prophylaxe und allgemeinen Gesunderhaltung. Therapieren dürfen solche Berater*innen oder Coaches nicht, auch nicht wenn sie sich als “zertifiziert” oder “staatlich geprüft” ausweisen. Menschen, die bereits an einer Erkrankungen leiden, sind bei Ärzt*innen und Heilpraktiker*innen richtig aufgehoben.

Was heißt das: “therapieren”?

Therapie ist definiert als Maßnahme, die auf die Linderung oder Heilung von Krankheiten abzielt. Maßnahmen zur Vorbeugung von Krankheiten und zur Gesunderhaltung dürfen auch von anderen Berufsgruppen angewandt werden.

Wer ist befugt, Psychotherapien durchzuführen?

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Psychotherapie gehört in fachkundige Hände.
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Es gibt drei Berufsgruppen, die in Deutschland Psychotherapie ausüben dürfen:

    • Ärzt*innen mit Zusatzbezeichnung Fachärzt*in für Psychiatrie und Psychotherapie, Fachärzt*in für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie oder Fachärzt*in für Jugendpsychiatrie und Psychotherapie,
    • Psychologische Psychotherapeut*innen nach einem Studium der Psychologie und Zulassung als Therapeut*in,
    • Heilpraktiker*innen für Psychotherapie und Heilpraktiker*innen mit psychotherapeutischer Zusatzqualifikation.

Wo sind die gesetzlichen Grenzen der Heilpraktiker*innen?

Heilpraktiker dürfen grundsätzlich Diagnosen stellen und Therapien ausüben. Voraussetzung ist, dass sie ihr Fachgebiet beherrschen und entsprechende Fortbildungen nachweisen können. Für alle beworbenen Methoden müssen Zertifikate ohne Nachfragen für die Patient*innen zugänglich sein, z.B. als Aushang in der Praxis, als Ordner im Wartezimmer oder ähnliches.

Es bestehen diverse Behandlungsverbote, z,B. für bestimmte Infektionskrankheiten (Kinderkrankheiten und sexuell übertragbare Infektionen) sowie für Erkrankungen, die Medikamente erforderlich machen, welche ein*e Heilpraktiker*in nicht verordnen darf. Alle verschreibungspflichtigen Arzneimittel dürfen in Deutschland nur von Ärzt*innen verordnet werden. Verschreibungspflichtig sind laut Arzneimittelgesetz “Arzneimittel mit besonderen Anwendungsrisiken”, also Medikamente, die möglicherweise erhebliche Nebenwirkungen verursachen. Heilpraktiker*innen dürfen prinzipiell keine Zahnheilkunde ausüben und keine Geburtshilfe leisten. Die Begleitung von schwangeren Frauen vor der Niederkunft ist erlaubt. Ebenso die Betreuung von jungen Müttern nach dem Wochenbett. Wir dürfen weder Leichenschauen durchführen noch zu strafrechtlichen Prozessen Gutachten beisteuern.

Die Grenzen unserer gesetzlichen Kompetenzen werden in den Heilpraktikerprüfungen regelmäßig abgefragt.

Welche historischen Wurzeln haben die Ressentiments zwischen den Berufsgruppen?

Die Spaltung von Ärzteschaft und Heilpraktikerwesen ist historisch bedingt. Es wurzelt in dem Deutschen Heilpraktikergesetz, das aus der Nazi-Zeit (1939) stammt. Erst seit 2005 ist es erlaubt, dass Ärzt*innen und Heilpraktiker*innen in einer Praxis oder Klinik zusammenarbeiten dürfen.

Und wie kann man ihnen wirksam begegnen?

Vorurteilen begegnet man meiner Erfahrung nach am Besten, indem man sie an der Realität misst. Dazu ist es dienlich, wenn man sich und dem anderen die Gelegenheit gibt, von der vorgefassten Meinung abweichende positive Erfahrungen zu sammeln, wenn man sich öffnet für neue Informationen und erweiterte Perspektiven. Ich persönlich setze auf ein wertschätzendes und integratives Miteinander. In meinem Umfeld gibt es zahlreiche Beispiele dafür, dass es gelingen kann:

    • “Meine” Heilpraktikerschule, an der ich auch verschiedentlich als Referentin aktiv war, ist ärztlich geführt. Die Studienleiterin ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, unter den Referent*innen gibt es Heilpraktiker*innen, Ärzt*innen und andere Berufsgruppen. Von ihnen allen habe ich Wertvolles gelernt.
    • Während meiner verschiedenen Hospitationen in Arztpraxen sowie im ärztlichen Bereitschaftsdienst habe ich die Zusammenarbeit zwischen Ärzt*innen und Heilpraktiker*innen als für beide Seiten inspirierend und auch für die Patient*innen als gewinnbringend erlebt.
    • In meiner journalistischen Tätigkeit arbeite ich sowohl mit Ärzt*innen als auch mit Heilpraktiker*innen eng zusammen. Heilpraktiker*innen begegnen Ärzt*innen und Menschen aus anderen Berufen in unseren Rollen als Redakteur*in, Autor*in etc. auf Augenhöhe.
    • Gemeinsam mit dem Arzt Dr. Peter Vill habe ich das Buch “Gesundheit gestalten mit den 4 Elementen” geschrieben und veröffentlicht. Die enge Zusammenarbeit hat uns beide beflügelt und nachhaltig bereichert.
    • Als Patientin war und bin ich sowohl bei Ärzt*innen als auch bei Heilpraktikerinnen in Behandlung. Mit beiden Berufsgruppen habe ich Erfahrungen unterschiedlichster Art gesammelt. Für meinen Genesungsweg und meine Persönlichkeitsentwicklung waren Personen mit beiderlei Qualifikation von großem Nutzen.
    • Unter meinen Patient*innen befinden sich schon seit vielen Jahren neben zahlreichen anderen Berufsständen auch Ärzt*innen und Heilpraktiker*innen. Über Mediziner*innen und Psychotherapeut*innen, die den Weg in meine Praxis finden, freue ich mich immer wieder sehr.
Praxis Lichtblick Heilpraktiker Weinheim PetRa Weiß
Die Welt darf bunt sein. Foto: twinlili / pixelio.de

Weitere Infos
www.gesetze-im-internet.de/heilprg/BJNR002510939.html  (Bundesministrium der Justiz und für Verbraucherschutz)