Heuschnupfen – neue Perspektive auf ein altbekanntes Thema

Praxis Lichtblick Heilpraktiker Psychotherapie Weinheim
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Nach einer Datenerhebung des Robert Koch Instituts (RKI) ist in Deutschland rund ein Drittel der Erwachsenen von Allergien betroffen. Die Hälfte von ihnen leidet unter Heuschnupfen. Mehr als 9 % der Kinder haben bereits eine Schniefnase durch Pollen. Alljährlich plagen sich Menschen mit der Reaktion ihres Körpers auf an sich harmlose Pflanzenteile.

Aus diesem Beitrag erfahren Sie, was konventionelle Maßnahmen bewirken und welche naturheilkundlichen Methoden hoffnungsvoll sind. Außerdem beleuchte ich das Allergiegeschehen im Gesamtzusammenhang von Psyche, Abwehr, Nervensystem und Hormonregulation. Diese Sicht bietet neue Ansatzpunkte zur Linderung der Beschwerden.

Heuschnupfen, auch Pollinosis bzw. allergische Rhinitis genannt, zeigt sich typischerweise als saisonaler (Fließ-)Schnupfen mit Niesen und Kribbeln oder Juckreiz. Häufig sind auch die Augen betroffen. Sie jucken, brennen und sind gerötet. Der Kampf des Immunsystems gegen den allgegenwärtigen „Feind“ kostet Energie. Das zeigt sich in allgemeinem Müdigkeitsgefühl und Konzentrationsmangel. Die Leistungsfähigkeit kann herabgesetzt sein. Der Heuschnupfen reduziert die Lebensqualität teilweise in erheblichem Ausmaß. Die Dauer der Reaktion ist abhängig von den Bühlzeiten der auslösenden Pflanzen. Bei einigen Patient*innen sind mehrere Pollenarten als Allergene wirksam. Diese Menschen haben über mehrere Monate mit ihren Beschwerden zu tun. Viele der Betroffenen ergreifen früher oder später Maßnahmen, um dem entgegenzuwirken – mit unterschiedlichem Erfolg.

Konventionelle Maßnahmen

In meiner Praxis habe ich mehrere Patient*innen begleitet, die eine Hyposensibilisierung bei einem darauf spezialisierten Arzt in Anspruch genommen haben. Die Resultate dieser Therapieversuche reichten von deutlicher Reduktion der Symptome bis zu komplett wirkungslos, trotz konsequenter Behandlung über mehrere Jahre.

Zuverlässig symptomunterdrückend wirken Antihistaminika. Sie drosseln die Histaminausschüttung. Histamin ist an der allergischen Entzündungsreaktion beteiligt und bewirkt unter anderem das Anschwellen der Schleimhäute. Während im akuten allergischen Schub dieses Medikament von großem Nutzen sein kann, ist die Einnahme als Dauerlösung aus ganzheitsmedizinischer Sicht fragwürdig. Histamin ist nämlich nicht nur an den unerwünschten Körperreaktionen beteiligt, sondern dient uns auch zu anderen Zwecken.

Histamin reguliert unter anderem die Magensäureproduktion und die Bewegungen des Darms. Im Gehirn beeinflusst es den Appetit und den Tag-Nacht-Rhythmus. Dieser wiederum ist für viele gesundheitsrelevanten Prozesse verantwortlich, z.B. für die nächtliche Regeneration, für gesundes Wachstum während des Schlafes und für das tageszeitabhängige Hormonsystem. In den frühen Morgenstunden wird beispielsweise Cortisol in größeren Mengen ausgeschüttet. Es hat die Aufgabe, Entzündungsreaktionen abzuschließen. Aha.

Wenn wir an einer bestimmten Stelle in das komplexe System Mensch eingreifen, um eine kurzfristige Veränderung zu erreichen, müssen wir auch die langfristigen Auswirkungen an anderen Stellen berücksichtigen.

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Naturheilkundliche Maßnahmen

Im Handel sind naturheilkundliche Heuschnupfenmittel erhältlich. Zahlreiche Tipps kursieren im Internet, fast jeder Freund oder Nachbar hat eine Empfehlung beizutragen. Mit der Erkenntnis, dass der Hausarzt keine griffige Erklärung für die Überreaktion der Körpers parat hat und mit der Erfahrung, dass verschiedene Behandlungsversuche keinen Erfolg gebracht haben, kommt oft das Experimentieren in Eigenregie.

Mein Tipp dazu: Nehmen Sie homöopathische Arzneien (auch Komplexmittel mit mehreren Inhaltsstoffen) nicht über einen längeren Zeitraum ein. Es sei denn, sie erleben eine deutliche Besserung durch die Anwendung und keine unerwünschten Reaktionen. Homöopathische Mittel wirken auf den ganzen Menschen, nicht nur auf die Schleimhäute. Sie können Reaktionen an anderen Stellen auslösen, die Sie nicht beabsichtigt haben – manchmal auch mentale oder seelische. Aus diesem Grund empfehle ich, eine durchaus hoffnungsfrohe homöopathische Behandlung beim Fachmann oder bei der Fachfrau durchzuführen.

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Unbedenklich hingegen ist der Einsatz von Bachblüten. Diese sanfte und gleichzeitig kraftvolle Medizin können Sie gut auch in Eigenregie anwenden. Bei Heuschnupfen sind mehrere Blüten in Betracht zu ziehen:

    • Centaury sorgt für gesunde Grenzsetzung
    • Holly stoppt Überreaktionen
    • Vervain verhindert Aktionismus
    • Olive und Oak helfen aus der Überlastung heraus
    • Star of Bethlehem, Aspen und Rock Rose regulieren das Nervensystem

Verwenden Sie bis zu sechs der Bachblüten, die Sie am Meisten ansprechen. Sie können nichts falsch machen. Wenn Sie möchten, wählen Sie intuitiv nach Bild oder testen Sie kinesiologisch. Geben Sie in eine Mischung aus 1/3 Alkohol (zur Konservierung) und 2/3 stillem Wasser in einer 30 ml Pipettenflasche je drei Tropfen jeder Blüte aus einer sogenannten Stockbottle (aus der Apotheke. Hier können Sie rezeptfrei auch eine fertige Mischung beziehen). Nehmen Sie täglich vier mal vier Tropfen vier Wochen lang ein. Oder so oft Sie daran denken. Wenn Sie anfangen, die Bachblüten öfter zu vergessen, hat diese Mischung ausgedient. Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl.

Die Verzweiflung, mit der alles Mögliche im Alleingang ausprobiert wird, kann ich verstehen. Manchmal führen die Bemühungen sogar zum Ziel. Statt blindem Aktionismus empfehle ich gezielte Interventionen. Welche Methode Ihnen am meisten dient, kann man mit Hilfe eines kinesiologischen Tests herausfinden. Zweckdienlich ist es außerdem, mit einem breiten Blick auf die Situation zu schauen.

Ganzheitsmedizinische Sicht

Zunächst hängt an so einer Nase ja bekanntlich ein ganzer Mensch. Der Organismus ist ein komplexes System, dessen einzelne Komponenten miteinander in Wechselwirkung stehen. Die noch recht junge Wissenschaft der Psychoneuroimmunologie erforscht die Zusammenhänge zwischen Psyche, Nervensystem, körpereigener Abwehr und Hormonregulation. Längst ist bekannt, dass es hier Abhängigkeiten gibt. Wenn unser Immunsystem etwas Merkwürdiges tut, darf ein Blick auf die anderen Teile des Systems erlaubt und vielleicht sogar notwendig sein.

Hormonsystem. Greifen wir in das Hormonsystem ein – beabsichtigt oder unbeabsichtigt? Zum Beispiel, indem wir Hormonpräparate einnehmen? Das machen wir in der Regel bewusst. Über sinnvolle Alternativen berät Sie Ihr*e naturheilkundlich orientierte*r Gynäkolog*in. Weniger präsent ist uns die hormonartige Wirkung von Dingen, mit denen wir uns umgeben oder ernähren. Weichmacher aus Kunststoffen zum Beispiel. Trinken Sie aus Plastikflaschen? Lassen Sie das, wenn Sie von Heuschnupfen geplagt werden. Erkundigen Sie sich danach, welche Nahrungsmittel Hormone enthalten oder hormonartige Wirkungen im Körper erzeugen. Das Thema ausführlich zu behandeln, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Ich möchte Sie aber dafür sensibilisieren, dass es diesen Zusammenhang gibt. Da Hormone per Definition an verschiedenen Stellen im Körper Auswirkungen haben, lohnt es sich sehr, Ihre Aufmerksamkeit in diese Richtung zu lenken – nicht nur wegen des Heuschnupfens.

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Abwehr. Das Immunsystem hat noch einige andere Funktionen, als Pollen abzuwehren. Auch hierzu will der Gesamtzusammenhang betrachtet werden. Allergien sind mengenunabhängig. Das bedeutet, es ist egal, mit wie viel des Allergens Sie in Kontakt kommen. Nur das strikte Vermeiden hilft. Und weil das bei einer Pollenallergie nicht möglich ist, es sei denn, Sie halten sich dauerhaft in einem pollenfreien Raum auf, können wir das Immunsystem an der Stelle schlecht entlasten – aber an anderen! Wenn Sie wissen, dass Sie zum Beispiel zusätzlich gegen bestimmte Lebensmittel allergisch reagieren, dann minimieren Sie die Summe der Belastungen zumindest in der Heuschnupfenzeit, besser ganzjährig.

Nervensystem. Entlasten Sie Ihr Nervensystem. Wie das geht, wissen wir eigentlich ganz von selbst. Wir müssen nur aufmerksam in unseren Körper hinein lauschen. Viel zu oft beachten wir unsere Bedürfnisse aber nicht, sondern rennen einfach weiter im Hamsterrad. Das können Sie so machen. Vom Heuschnupfenspray oder von der Hyposensibilisierung dürfen Sie sich dann allerdings kein Wunder erwarten. Wirksame Entlastungen beginnen bei den Basics der Selbstfürsorge. Darüber habe ich einen ausführlichen Artikel geschrieben: Selbstfürsorge für Einsteiger.

Manchen helfen Achtsamkeitsübungen, anderen nützt Yoga oder Jin Shin Jyutsu. Wenn die herkömmlichen Entspannungsverfahren keine Besserung bringen, kann professionelle Unterstützung gefragt sein, um das Nervensystem von alten Belastungen zu befreien, die sonst immer wieder zu Stress führen. In meiner Praxis hat sich eine körperorientierte Form der Psychotherapie in diesem Zusammenhang sehr bewährt: Somatic Experiencing.

Praktische Übung
In der japanischen Heilkunst des Jin Shin Jyutsu befindet sich ein „Allergiepunkt“ rechts und links der Brustwirbelsäule ungefähr auf halbem Weg zwischen dem Schlüsselbein und der Brustwarze. Man berührt den Punkt mit den Händen, rechts oder links oder beidseits. Am Bequemsten geht das im Liegen auf dem Rücken. Sie dürfen auch drücken oder sanft reiben, aber das müssen Sie nicht. Halten Sie den Punkt einfach für ein paar Minuten. Den Griff können Sie wiederholen sooft Sie daran denken. Häufig ist dieser Punkt sogar schmerzhaft. Höchste Zeit, sich um das dazugehörige Thema zu kümmern: Auf der Seelenebene geht es um Vergebung – sich selbst oder anderen gegenüber. Das kann eine Übung für Fortgeschrittene sein. Holen Sie sich bei Bedarf Unterstützung.

Psyche. Der Blick auf die Gesamtbelastung gilt auch für den mentalen und seelischen Bereich. So eine Allergie kann ein guter Anlass sein, schwelende Konflikte endlich in Angriff zu nehmen. Dann muss nicht ein harmloses Pflänzchen als Stellvertreter für den „Feind“ herhalten. Fürs ganze System – und damit meine ich je nach Situation die Familie, die Nachbarschaft, den Verein oder die Arbeitskolleg*innen – ist ein reinigendes Gewitter hilfreicher als die unterschwellige Daueranspannung. Kompetente Hilfe finden Sie bei Psychotherapeut*innen, Coaches, Mediator*innen, Beratungsstellen, etc. Als Methode, die das ganze System berücksichtigt, hat sich das Familienstellen bewährt.

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Wenn die körperlichen Grenzen mit solch unangebrachter Vehemenz verteidigt werden müssen, kann das Thema Grenzsetzung ein sehr sensibles sein. In diesem Fall ist es angezeigt, sich fachkundige Unterstützung zu holen. Häufig sind in der Vergangenheit Grenzverletzungen geschehen, die ähnlich einer Traumareaktivierung durch geringe Auslöser heftige Reaktionen erzeugen. Mit dieser Belastung muss man nicht leben. Es gibt geeignete Methoden, damit umzugehen.

Hilfreich kann es sein, einen gesunden Umgang mit den eigenen Aggressionen zu finden – auch mit solchen, die bisher unterschwellig bleiben. Die Inhalte meiner Fortbildung zu dem Thema gebe ich gerne als Extrakt in meiner Sprechstunde weiter. Der Kurs „Umarme Deinen Tiger“ als Auftakt zur Weiterbildung zum Aggressionsberater wird meines Wissens noch immer am Odenwaldinstitut angeboten. Wer sich interessiert, kann hier nähere Informationen finden: Umarme deinen Tiger – Aggression als Lebensenergie

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Elemente-Balance. Wie soll ihr Immunsystem sich beruhigen, wenn Sie trotz verminderter Konzentrationsfähigkeit und vielleicht noch unter dem Einfluss eines müde-machenden Medikaments Ihre volle Leistung bringen wollen? Das ist der Zeitpunkt, um einen Gang zurück zu schalten. Machen Sie aus Ihrer „Work-Life-Balance“ eine „Life-Balance“, in dem die Arbeit auch eine Rolle spielen darf, aber nicht die erste Geige. Leistung gehört zum Feuerelement. Und gerade dieses ist am Lodern, wenn die Augen rot werden, alles juckt und brennt und sich heftiges Niesen als plötzliche Entladungsreaktion zeigt. Auch Ungeduld und Gereiztheit können auftreten, wenn das Feuer in Dysbalance ist.

Besonders für Menschen mit Blutgruppe Null ist es jetzt ratsam, ihr Feuerelement zu drosseln: Essen Sie weniger fettreich und meiden Sie scharfe Gewürze ebenso wie heiße Speisen und koffeinhaltige Getränke, solange feurige Beschwerden anhalten. Bewegen Sie sich: Blutgruppe Null bis zur Leistungsgrenze (aber nicht darüber!), alle anderen moderat. Viele weitere Tipps zur Elemente-Balance finden Sie in dem Buch: Gesundheit gestalten mit den 4 Elementen, das ich gemeinsam mit Dr. Peter Vill geschrieben habe.

Lassen Sie sich von Ihrem Heuschnupfen nicht die Freude an der Natur verderben und auch nicht das Vertrauen in Ihren Körper nehmen. Es gibt Wege, die zwar aufwändiger erscheinen als die “Knopfdruck-Medizin”, die Sie vielleicht gewohnt sind. Dafür kann sich auf diesen Wegen weit mehr für Sie  ereignen, als dass Sie nur Ihre lästigen Symptome loswerden.