Heuschnupfen ganzheitlich behandeln

Alle Jahre wieder plagt viele Menschen eine saisonale Allergie. Wie kommt es eigentlich dazu, dass wir auf an sich harmlose Pollen oder Gräser so feindselig reagieren? Was können wir aus der körperlichen Reaktion lernen? Mit welcher Haltung wenden wir uns therapeutischen Verfahren zu? Und was kann man vorbeugend oder begleitend tun?

Auch wenn viele Abläufe im Körper bis ins Kleinste erforscht sind und beschrieben werden können, bleibt die Frage nach dem Warum häufig offen. Mir gefällt die Idee, dass hinter den leiblichen Vorgängen geistige Prinzipien zu erkennen sind. Dieses Grundkonzept ist unter dem Begriff Psychosomatik bekannt. Man geht davon aus, dass seelische Konflikte, die nicht gelöst werden, sich früher oder später auf der körperlichen Ebene zeigen. Der Patient „somatisiert“, das heißt, er verkörpert das seelische Malheur.

Unzählige Bücher befassen sich damit, wie bestimmte Beschwerden zu deuten sind. Aus dieser Lektüre kann man sich Anregungen holen, wie Analogien zwischen körperlichen und seelisch-geistigen Vorgängen grundsätzlich verstanden werden können. Eins zu eins auf jeden einzelnen übertragbar sind sie freilich nicht immer.

Das ist wie mit der Deutung eines Bildes im Rahmen der Kunsttherapie: Man darf den Menschen nicht außer Acht lassen, um den es gerade geht. Der Künstler, der eine Allergie in seinem Körper erschaffen hat, um etwas Bestimmtes zum Ausdruck zu bringen, ist wesentlich. Die Allergie ist wie jede andere Veränderung, die wir als Krankheit bezeichnen, eine Form des Selbstausdrucks.

Ein Praxisbeispiel

Eindrücklich habe ich diesen individuellen Bezug beim Heuschnupfen einer Patientin erlebt. Die zurückhaltende junge Dame reagiert auf Birkenpollen. Deshalb kam sie aber nicht in meine Sprechstunde. Um es mit meiner Sprache zu sagen, weil ich die Frau hier aus Gründen der Vertraulichkeit nicht wörtlich zitieren will: Sie möchte ihr Inneres der Außenwelt mehr zeigen. Das war im Grunde ihr Anliegen.

Aus diesem Zusammenhang heraus finde ich es äußerst einleuchtend, dass sie ausgerechnet gegen Birke allergisch ist. Dieser Baum zeigt als einziger mit seiner weißen Rinde nach außen einen Stoff, den alle anderen Baumarten hinter ihrer borkigen Schutzschicht behalten. Folgerichtig führt die Allergie schwerpunktmäßig zu Hautproblemen: Die obere Schicht schält sich regelrecht ab.

Ohne den zugrundeliegenden inneren Konflikt zu lösen, wird vermutlich das beste Allergiemittel nicht wirken können. Das Bewusstsein über die psychosomatischen Bezüge ist ein guter erster Schritt. Hilfreich werden voraussichtlich Medikamente und Methoden sein, die sowohl die körperlichen Erscheinungen als auch ihre seelischen Ursachen im Auge haben.

Psychoneuroimmunologie

Bewährt hat sich in Zusammenhang mit Allergien und anderen Merkwürdigkeiten des Immunsystems (Autoimmunerkrankungen wie z.B. MS, Lupus, Asthma, Gastritis, Hashimoto) ein 360-Grad-Blick.

Wie wir aus den Forschungsergebnissen der Psychoneuroimmunologie seit mehr als 20 Jahren wissen, hängen die Nerven, das Immunsystem und der Gemütszustand eng zusammen. Diese Wissenschaft belegt akribisch, was die Erfahrungsheilkunde seit Jahrhunderten weiß: Körper, Seele und Geist kann man bei der Betrachtung von Gesundheit und Krankheit nicht voneinander getrennt sehen. Sie stehen in ständiger Wechselwirkung.

Allergien verändern häufig ganz deutlich die Stimmung bei den Betroffenen, die sich dann auch anders benehmen als sonst – wie übrigens viele Erkrankungen zu einem typischen Krankheitsverhalten (sickness behavior) führen. Wir sollen nicht herumtollen wie junge Hunde, wenn unser Körper gerade mit einer Krankheit kämpft, sondern uns schonen und die Kräfte auf unsere Genesung konzentrieren. Deshalb sind wir müde und abgeschlagen, wenn wir einen Infekt haben. Die Natur hat unsere Reaktionen auf akute Beschwerden grundsätzlich sinnvoll eingerichtet.

Theorie und Praxis

Wenn wir aber von März bis Mai erschöpft sind, weil die Birkenpollen fliegen, ist das mit unserem modernen Verständnis von Lebensfreude und Leistungsfähigkeit schwer zu vereinbaren.

Die Wechselwirkung bedeutet auch, dass wir umgekehrt durch unsere seelische und nervliche Verfassung auf das Allergiegeschehen Einfluss nehmen können. Viele Betroffene klagen, dass „unter Stress“ die Symptome schlimmer werden. Wir brauchen daher oft eine Lösung für den Stress, wenn wir nach einer Lösung für die Allergie suchen.

Die Seele und die Nerven können wir durch geeignete Verfahren aus der Psychotherapie entlasten, manchen Patienten dienen auch Entspannungstechniken und Mediationen. Sanfte Helfer aus der Naturheilkunde sind die Bachblüten, die im Idealfall individuell zusammengestellt werden. Möglicherweise hilft die Bachblüten-Konstitution oder ein kinesiologischer Test, um herauszufinden, was dem Einzelnen jetzt am meisten dient.

Bachblüten und andere sanfte Helfer

Praxis Lichtblick Heilpraktiker Psychotherapie Weinheim
Foto: Thomas Kämpf ©Petra Weiß

Aus meiner Erfahrung eignen sich ein paar Bachblüten ganz besonders gut zur Linderung von allergischem Geschehen:

    • Scleranthus zur Entscheidung, was Freund und was Feind ist (Birkenpollen sind an sich ja harmlos)
    • Mustard wirkt der Abgeschlagenheit entgegen
    • Holly lindert reflexhafte „Dagegen“-Reaktionen, also Widerstände, die keinen Sinn (mehr) machen
    • Chestnut Bud unterstützt den Körper und die Seele dabei, neue Wege zu gehen

Lassen Sie sich in der Apotheke für kleines Geld eine Mischung herstellen: 2/3 Wasser, 1/3 Alkohol, je 3 Tropfen der jeweiligen Blüte aus der Stockbottle in eine 30 ml Pipettenflasche füllen, täglich 4×4 Tropfen einnehmen.

Starten Sie mit der Behandlung kurz vor der Allergiesaison und beenden Sie sie erst, wenn der Pollenflug vorüber ist.

Alchemie.

Eine intelligente Komposition zum Thema Freund-/Feind-Erkennung habe ich bei den Komplexmitteln des Frankfurter Apothekers Carsten Pötter gefunden. In einem alchemistischen Prozess fügt er verschiedene Pollen als Allergene mit pflanzlichen und mineralischen Mitteln zusammen. Bei Bedarf kann man die Therapie durch individuell gestaltete Affirmationen unterstützen.

Darmgesundheit.

Ebenfalls bewährt hat sich die Regulation der Darmtätigkeit bei Allergikern. Ob Sie Ihre Darmflora im Labor untersuchen lassen und gezielt die Bakterien „nachfüttern“, die fehlen. Oder ob Sie dem Darm eine allgemeinere Unterstützung zukommen lassen, wie beispielsweise eine pflanzliche Kur aus der anthroposophischen Apotheke, entscheiden Sie nach Ihren Vorlieben und Möglichkeiten. Ein Naturheilkundler begleitet Sie dabei mit seinen Fachkenntnissen und Erfahrungen.

Energiearbeit.

In der japanischen Heilkunst Jin Shin Jyutsu liegen die Punkte zur Allergiebehandlung am Oberkörper auf beiden Seiten der Brustwirbelsäule. Diese Stellen eine Weile mit den Händen zu halten, kann Ihr Vorhaben auf der Ebene der Energiebahnen unterstützen. Keine Angst: Sie können rein gar nichts falsch machen. Legen Sie einfach Ihre Hände auf den Brustkorb rechts und links des Brustbeins, das geht im Liegen am bequemsten. Diese Punkte regulieren „zufällig“ auch den Appetit und helfen beim Loslassen von altem Groll, der in die Vergebung gebracht werden will. Vergebung ist ein Kapitel für sich, über das ich zu einem späteren Zeitpunkt noch ausführlich berichten werde.

Gedanken zur Desensibilisierung

Ob man sich für eine sogenannte Desensibilisierung entscheiden will, ist Geschmackssache. Ich habe in meiner Praxis noch keinen einzigen Patienten erlebt, der durch solch ein Verfahren dauerhaft von seiner Allergie befreit worden wäre. Dabei leuchtet mir das Konzept aus homöopathischer Sicht sehr wohl ein: Man konfrontiert den Körper mit dem „Feind“ in winzigen Dosen, sodass er lernt, dass er mit der Bedrohung umgehen kann.

Die Behandlung ist leider in ihren Ergebnissen so wenig überzeugend und auf eine derart lange Dauer angelegt, dass die meisten Menschen sie logischerweise vorzeitig abbrechen. Und dann gibt man ihrem Mangel an Durchhaltevermögen die Schuld für das Nichtgelingen.

Irgendwie kommt mir die verdrehte Logik bekannt vor: Wenn Du nicht noch mehr von dem Nutzlosen nimmst, kann es ja nicht wirken. Selber schuld!

Natürlich erhebe ich keinen Anspruch auf die Vollständigkeit meiner Erfahrungen. Wenn Sie eine Desensibilisierung mit nachhaltigem Erfolg gemacht haben: Glückwunsch! Ich freue mich für Sie.

Umgang mit dem eigenen Körper

Aus der Traumatherapie ist mir jedoch bewusst, wie fein dosiert solche Impulse sein müssen, damit der gewünschte Effekt eintreten kann. Ansonsten läuft man Gefahr, eine Traumareaktivierung auszulösen oder eine „Normopathie“ zu erzeugen.

Ähnlich wie bei Traumapatienten, die nach einer Verhaltenstherapie zwar das gewünschte Verhalten an den Tag legen, sich dafür aber maximal von ihren Empfindungen abspalten müssen. Das schaut dann zwar vordergründig so aus als hätte man das Problem überwunden. Die Ursache bleibt davon aber unberührt und kann noch andernorts Schaden anrichten.

Tatsächlich ist die Botschaft dieses desensibilisierenden Therapiekonzepts aus psychosomatischer Sicht fraglich: Man setzt den Menschen einer (Dauer-)belastung aus mit dem Ziel, dass er darauf früher oder später nicht mehr reagieren wird.

Das Wort Desensibilisierung spricht Bände: „Stell Dich nicht so an, sei nicht so empfindlich!“ Ist das die Haltung, mit der Sie Ihrem Körper begegnen wollen? Meinen Vorstellungen von liebevoller Selbstfürsorge entspricht sie nicht.

Blutgruppe und Ernährung

Zu guter Letzt will ich noch auf eine allgemeine Entzündungsneigung aufmerksam machen, die durch eine nicht typgerechte Ernährung bedingt sein kann. Stille Entzündungen schleppen viele Menschen tagein, tagaus mit sich herum. Und wenn dann im Frühjahr noch das Allergen dazu kommt, dann zeigen sich die Maläsen.

Die feurige Blutgruppe 0 ist anfällig für Entzündungen – ebenso wie ihre abgemilderten Varianten A0 und B0, die im schulmedizinischen Laborbefund neben AA und BB unter den Sammelbegriffen A und B geführt werden. Fragen Sie Ihre Eltern, ob jemand Blutgruppe 0 hat, wenn Sie A oder B im Blutspenderausweis oder im Mutterpass stehen haben. Dann hat man Ihnen von dieser Seite sicher auch ein feuriges Gen vererbt.

Für Menschen „mit Feuer im Blut“ kann es langfristig sehr entlastend sein, die Ernährung schrittweise umzustellen. Weizen und Milchprodukte vertragen Sie entweder offensichtlich oder eher subtil nicht gut. Die enthaltenen Lektine verkleben mit den Bestandteilen des Blutes in der Blutbahn und in den Organen. Das hat verschiedene Auswirkungen, eine davon ist eine Irritation des Immunsystems, die unter anderem zu Allergien führen kann.

Selbst wenn Sie schon einige Diäten versucht haben, kann eine Blutgruppen-orientierte Ernährungsumstellung vielleicht ein wichtiger Mosaikstein für Sie sein. Die beiden konkreten Beispiele oben dienen der Veranschaulichung. Das Konzept ist natürlich weitaus komplexer. Holen Sie sich bei Bedarf fachkundige Unterstützung, brechen Sie nichts übers Knie und vor allem: Zwingen Sie sich nicht zu irgendeiner Kostform, die Ihnen zutiefst zuwider ist.

Auch das ist eine Frage der grundsätzlichen Haltung. Meine Überzeugung ist, dass der Körper gute Gründe hat, bestimmte Gewohnheiten nicht loslassen zu wollen, selbst wenn sie offensichtlich schädlich sind. Dann muss man herausfinden, welchen Zweck sie erfüllen, bevor sie gehen können. Vermutlich fehlt etwas Wichtiges. Bleibt es unbeachtet, kompensiert man sonst das Fehlende mitunter auf eine noch schädlichere Weise.

Im Bewusstsein liegt die Lösung

Wie immer spreche ich mich für einen bewussten Umgang mit dem Körper und dem Seelisch-Geistigen aus. Hinterfragen Sie das Konzept Ihrer Behandlung, vor allem, wenn sie auf Langfristigkeit ausgelegt ist oder ein Vermögen kosten soll. Schöpfen Sie alle Möglichkeiten der Selbsthilfe aus, die Ihnen sinnvoll und sympathisch erscheinen. Und lassen Sie sich punktuell oder phasenweise von jemandem Unterstützen, der Ihr Vertrauen verdient hat.

Vielleicht gibt Ihnen Ihre Allergie einen wichtigen Hinweis darauf, dass Sie in Ihren Beziehungen prüfen, wer wirklich Ihr Freund ist – auch in der Zusammenarbeit mit einem Therapeuten.

Sie haben eine berechtigtes Interesse daran, Fortschritte erkennen zu können und die Sinnhaftigkeit einer Behandlung beurteilen zu wollen. Lassen Sie nicht locker bis Sie sich eine eigene Meinung bilden können, die auf sachlichen Informationen und einem guten Bauchgefühl begründet ist.

Text: Petra Weiß
Foto: Oliver Mohr / PIXELIO