guter Vorsatz: Fehler machen!

Petra Weiß Heilpraktikerin Weinheim Praxis Lichtblick
Nicht alle Fehler sind fatal. Foto: Tim Reckmann / pixelio.de

In unserer Gesellschaft investieren wir allgemein viel zu viel Energie, damit nur ja kein Fehler vorkommt. In manchen Bereichen mag das angemessen sein, z.B. auf Intensivstationen oder bei Geburtsvorgängen – in den meisten Lebensbereichen ist es das nicht. Trotzdem tun wir so, als müssten wir in allen Disziplinen des täglichen Lebens die EINS MIT STERNCHEN erreichen. Wie hecheln nach Perfektion. Dabei bemühen viele sich bis zur Erschöpfung. Doch wer sollte sie bewerten?

Wir sind es selbst, die gar Übermenschliches von uns verlangen. Gemäß den gerade gültigen Konventionen wollen wir gesund, attraktiv, geistreich, witzig, widerstandsfähig, durchsetzungsstark oder feinsinnig sein. Und von anderen erwarten wir, dass sie sich ebenso bemühen, den jeweils gültigen Werten bestmöglich zu entsprechen. Das Anspruchsdenken treibt die einen kollektiv in die Erschöpfung. Und die anderen fangen gar nicht erst an, sich dem Ziel zuzuwenden, weil es unerreichbar erscheint. Diese Spaltung tut beiden Gruppen nicht gut und dient nicht der Gemeinschaft. 

Schluss damit!

Petra Weiß Heilpraktikerin Weinheim
Unser Gehirn korrigiert den Fehler sofort, ohne dass wir darüber nachdenken. Foto: Wortinspektor / pixelio.de

Ich plädiere für Pareto: Mit 20 % Einsatz kann man in den allermeisten Fällen 80 % des Ergebnisses erzielen. Dieser Grundsatz gilt seit Jahrzehnten im Wirtschaftsleben. Aus diesem Bereich dürfen wir auch einmal hilfreiche Anregungen aufnehmen. Voraussetzung für die Umsetzung dieses Prinzips ist eine grundlegende Haltung: Gut ist gut genug. Dieses Bewusstsein fehlt uns. Wir wollen alles perfekt machen und auf gar keinen Fall angreifbar sein. Wir muten uns mit unserer leider gar nicht gott-ähnlichen Fehlerhaftigkeit der Welt nur äußerst ungern zu. Schade. Wir sind nämlich Menschen. Jeder von uns. 

Hier ist ein Bewusstseinswandel fällig. Fangen Sie an. Jetzt. Egal, ob Sie selbst abhängig von Anerkennung sind oder nicht: Verteilen Sie welche! Sagen Sie der Verkäuferin, dass Sie sich von ihr kompetent und geduldig beraten fühlen, auch und besonders dann, wenn Sie nichts gekauft haben. Teilen Sie dem Bäcker mit, wie köstlich seine Backwaren duften. Offenbaren Sie Ihrer besten Freundin, wie sehr Sie Ihre Meinung schätzen. Sagen Sie Ihrem Mann, wie sicher sie sich fühlen, wenn er am Steuer sitzt. Haben Sie das Prinzip verstanden? Gut, denn jetzt kommt die Nummer für Fortgeschrittene:

Beginnen Sie mit der Wertschätzung bei sich selbst  – wo sonst? Suchen und finden Sie an sich gute Seiten. Seien Sie gnädig mit Eigenschaften, die Sie weniger mögen. Umarmen Sie Ihre Schwäche und Ihre Unzulänglichkeit. Sie sind liebenswert – genauso wie Sie sind.

Sprechen Sie offen darüber, wo Sie sich nicht korrekt verhalten. Sie haben richtig gelesen: Bekennen Sie sich zu Ihrer Unvollkommenheit. Sie müssen nicht alles richtig machen. Vielleicht werden Sie sich wundern, wer die bleischwere Superman-Kutte noch freiwillig ablegt, wenn Sie den Anfang wagen. Genießen Sie das Mehr an Leichtigkeit. Erleben Sie bewusst, dass Sie akzeptiert, gemocht oder gar geliebt werden, auch und vielleicht manchmal gerade weil Sie nicht vollkommen sind.

Das richtige Maß an Reduktion der eigenen Ansprüche darf individuell gewählt werden. Für den einen ist ein Perfektionsgrad von 80 (gemäß Pareto) ein gutes Ziel, für den anderen mag schon 95 ein herausfordernder Kompromiss sein. Sie kennen sich selbst am Besten. Entscheiden Sie frei, wohin Sie Ihre Richtmarke legen wollen. Und dann fangen Sie einfach an, Erfahrungen zu sammeln. 

Doch was, wenn Ihnen das nicht auf Anhieb gelingt? Dann sind auch Sie herzlich willkommen im Club der menschlichen Unvollkommenheit 🙂 Denn unvollkommen sind wir als Menschen perfekt.