Erwachsene Kinder traumatisierter Eltern

Heilpraktiker Weinheim

Foto: PetRa Weiß

Die Ursachen von Trauma sind vielfältig. Allein durch das NS-Regime und den zweiten Weltkrieg waren in Deutschland schätzungsweise 2/3 der Bevölkerung potenziell traumatisierenden Erlebnissen ausgesetzt – die Hälfte von ihnen wiederholt oder langanhaltend. Das betraf Menschen jeden Alters: Babys, Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren.

Viele von Ihnen entwickelten in der Folge psychische Symptome von unterschiedlicher Ausprägung, die in der Regel unbehandelt geblieben sind. Diese Menschen haben – trotz all ihrer schlimmen Erfahrungen – das Leben weitergegeben. Und unabsichtlich auch einen Teil ihrer Traumata an die nächste und übernächste Generation.

Diesen Vorgang nennt man transgenerationale Traumatsierung.

Die Nachkommen, die selbst weder Krieg noch Verfolgung, weder Heimatvertreibung noch Hungersnot, weder Gefangenschaft noch Lebensbedrohung, weder Gewalt noch Verlust erfahren haben, leiden dennoch häufig an Symptomen, die einer posttraumatische Belastungsstörungen zugerechnet werden können. Die Liste der möglichen Beschwerden ist lang. Die Situation ist für die Betroffenen besonders belastend, weil sich in der eigenen Biografie keine Erklärung für diese Zustände finden lässt.

Zahlreiche Studien  und Forschungsarbeiten untersuchen das Phänomen der transgenerationalen Traumatisierung, spekulieren über die Übertragungswege, analysieren die Auswirkungen und diskutieren mögliche Lösungsansätze. Sogar der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags hat sich mit der Thematik eingehend befasst. Nach dem aktuellen Kenntnisstand gilt es als zweifelsfrei erwiesen, dass es zu sogenannten Sekundärtraumatisierungen kommt.

Im Bewusstsein der Öffentlichkeit ist das Phänomen der Traumaübertragung von einer Generation auf die nächste leider noch nicht angelangt. Es gibt dafür nicht einmal eine Diagnosekennziffer für die Abrechnung mit der Krankenkasse. In der Regel erhalten die Betroffenen folglich falsche Diagnosen und häufig auch unpassende Therapien. Dadurch ist ihnen natürlich nicht gedient.

Mir ist es ein persönliches Anliegen, die Kinder und Enkelkinder von traumatisierten Eltern und Großeltern über diese Zusammenhänge zu informieren und ihnen Verständnis, Mitgefühl sowie geeignete Behandlungsformen  anzubieten.

Weitere Infos:
“Die vergessene Generation – Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen” Sabine Bode, Klett-Cotta 2015
“Kriegsenkel – Die Kinder der vergessenen Generation” Sabine Bode, Klett-Cotta 2018
“Transgenerationale Weitergabe traumatischer Erfahrungen” Masterarbeit der Sozialpädagogin und Kunsttherapeutin Sarah Seidl, 2018