Was Sie schon immer über Heilpraktiker*innen wissen wollten…

Praxis Lichtblick Heilpraktiker Weinheim PetRa Weiß

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de 

In wessen Hände wir vertrauensvoll unsere Begleitung in Richtung körperliche und/oder seelische Gesundheit legen, ist eine wichtige Entscheidung. Natürlich wollen wir uns darauf verlassen, dass unser*e Behandler*in kompetent in der Sache und als Mensch integer ist.

In der Öffentlichkeit besteht Verwirrung darüber, welche Qualifikation Heilpraktiker*innen tatsächlich haben. Daher möchte ich hier für ein wenig sachliche Aufklärung sorgen. Sie finden auf dieser Seite Antworten zu folgenden Fragen:

  • Welche Qualifikation hat ein*e Heilpraktiker*in?
  • Welche staatliche Einrichtung stellt die Qualifikation der HP sicher?
  • Und wie wird vermieden, dass jemand eine “Gefahr für die Volksgesundheit darstellt”?
  • Worin sind Heilpraktiker*innen ausgebildet?
  • Wer darf in Deutschland eigentlich Patient*innen therapieren?
  • Was heißt das: “therapieren”?
  • Wer ist befugt, Psychotherapien durchzuführen?
  • Wo sind die gesetzlichen Grenzen der Heilpraktiker*innen?
  • Welche historischen Wurzeln haben die Ressentiments zwischen den Berufsgruppen?
  • Und wie kann man ihnen wirksam begegnen?
Heilpraktiker Weinheim PetRa Weiß
Foto: Timo Klostermeier / pixelio.de

Welche Qualifikation hat ein*e Heilpraktiker*in?

In der Presse geistern irreführende Meldungen umher, man müsse nur Hauptschulabschluss haben und 25 Jahre alt sein, und schon sei man Heilpraktiker*in. Was daran der Wahrheit entspricht: Es gibt Mindestvoraussetzungen für die Zulassung zur Prüfung. Sie ersetzen aber keineswegs die Prüfung, sondern sind nur Anforderungen, die schon vor dem Beweis der persönlichen und medizinischen Qualifikation erfüllt sein müssen. Darunter übrigens auch ein aktuelles straffreies amtliches Führungszeugnis und ein aktuelles ärztliches Zeugnis über die geistige und gesundheitliche Eignung zur Berufsausübung.

So viel zur Richtigstellung der lückenhaften Berichterstattung. Nun wenden wir uns den Fakten zu, die für Sie als Patient von Interesse sein können:

Welche staatliche Einrichtung stellt die Qualifikation der HP sicher?

Und wie wird vermieden, dass jemand eine “Gefahr für die Volksgesundheit darstellt”?

Der Begriff Heilpraktiker*in ist in Deutschland rechtlich geschützt. Nur wer eine amtsärztliche Prüfung vor dem Gesundheitsamt erfolgreich besteht, darf diese Bezeichnung führen. Es obliegt also dem Staat, die Bevölkerung vor den Gefahren von medizinischem Halbwissen, Scharlatanerie und Quacksalberei zu schützen. Diese Funktion üben die Gesundheitsämter gewissenhaft aus: 80 % der Prüflinge fallen durch. Sie erhalten folglich auch keine Zulassung als Heilpraktiker*in, dürfen sich nicht als Heilpraktiker*in bezeichnen und keine Behandlungen an Patient*innen vornehmen. Wer gegen dieses Gesetz verstößt begeht eine Straftat, die rechtliche Konsequenzen hat.

Die staatliche Erlaubnisurkunde erhalten geprüfte Heilpraktiker*innen als amtliches Dokument, das sie zur Berufsausübung legitimiert, erst nach dem Bestehen ihrer schriftlichen und mündlichen Prüfung. Die Urkunde muss für Patient*innen sichtbar in der Praxis ausgehängt werden bzw. ausliegen.

Und so schaut eine Erlaubnisurkunde aus.

Die Heilpraktikerprüfung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Der Theorieteil wird bundesweit zeitgleich mit identischem Inhalt durchgeführt. Die schriftlichen Prüfungen aus den vergangenen Jahren  sind im Internet veröffentlicht. 75 % der Fragen müssen präzise korrekt beantwortet werden. Nur dann wird man überhaupt zur mündlichen Prüfung zugelassen. Der Multiple-Choice-Test dient dem ersten “Aussieben” von Kandidaten, denen es an Fachwissen mangelt bzw. die ihre Kenntnisse nicht auf den Punkt bringen können oder nicht im erforderlichen Maße stressresistent sind.

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Im praktischen Teil ermittelt ein Amtsarzt oder eine Amtsärztin in einem Gespräch, ob die fachliche und persönliche Qualifikation des Prüflings ausreichend ist, um ihm die weitreichenden Kompetenzen zu übertragen, die mit dem verantwortungsvollen Beruf des Heilpraktikers/der Heilpraktikerin einhergehen. Die Amtsärzt*innen prüfen die fachliche und persönliche Eignung der Anwärter*innen. Insbesondere geht es darum herauszufinden, ob sich der/die angehende Heilpraktiker*in seiner bzw. ihrer persönlichen, fachlichen und gesetzlichen Grenzen bewusst ist, damit er “keine Gefahr für die Volksgesundheit darstellt”. Auch ein*e Heilpraktiker*in ist als Beisitzer*in bei der mündlichen Prüfung zugegen, die Gesprächsführung in der Heilpraktikerprüfung obliegt aber dem*der akademisch graduierten Mediziner*in.

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Worin sind Heilpraktiker*innen ausgebildet?

Die Forderung nach einer einheitlichen Ausbildung der Heilpraktiker*innen ist einerseits berechtig. Es gibt keine Berufsordnung, welche die Ausbildung inhaltlich regelt. Andererseits ist der inhaltliche Rahmen automatisch durch die Kenntnisse definiert, die in der Prüfung abgefragt werden.

Inhalte der Heilpraktikerprüfung sind im Speziellen:

  • Berufs- und Gesetzeskunde
  • Grenzen und Gefahren diagnostischer und therapeutischer Methoden des Heilpraktikers
  • Grundkenntnisse in Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie
  • Grundkenntnisse der allgemeinen Krankheitslehre
  • Erkennung und Erstversorgung akuter Notfälle und lebensbedrohlicher Zustände
  • Technik der Anamneseerhebung
  • Methoden der unmittelbaren Patientenuntersuchung
  • Praxishygiene, Desinfektion und Sterilisation
  • Injektions- und Punktionstechniken
  • Blutabnahme
  • Bedeutung grundlegender Laborwerte

Beispiel: Umfang der Heilpraktikerausbildung 

Damit Sie sich ein Bild machen können, wie eine entsprechende Ausbildung ausschauen kann, zeige ich Ihnen beispielhaft das Lehrprogramm, welches ich selbst während meiner Berufsausbildung zur Heilpraktikerin von 2004 bis 2006 absolviert habe.

Noch ein paar Zahlen, die Ihren zur Orientierung dienen sollen:

  • Der Aufwand in Zeit lag bei meiner Ausbildung bei 800 Präsenzstunden (Unterricht) verteilt über 30 Monate. Hinzu kommen die Zeiten der Vor- und Nachbereitung, des Lernens und der Prüfungsvorbereitung. Meine Heilpraktikerschule schätzt, dass man ca. insgesamt 1.330 Stunden investieren muss, um eine realistische Chance zu haben, die Prüfung zu bestehen.
  • Der finanzielle Aufwand für diese Ausbildung beläuft sich derzeit auf 6.900 Euro plus Reisekosten, Fachliteratur, Prüfungsgebühren etc.

Die Ausbildung bereitet primär auf die Heilpraktikerprüfung vor. Parallel dazu oder anschließend absolvieren die Kolleg*innen Fortbildungen in diagnostischen und therapeutischen Verfahren. Jede*r Heilpraktiker*in wählt frei, auf welche Verfahren er oder sie sich spezialisieren will. Manche bleiben bei einer Methode, z.B. Osteopathie oder Traditionelle Chinesische Medizin, andere eignen sich ein breites Spektrum an Methoden an. Beide Strategien haben Vor- und Nachteile.

Für Heilpraktiker*innen gibt es bis dato keine vorgeschriebenen Fortbildungspunkte wie z.B. für Ärzt*innen, Psycholog*innen und Apotheker*innen. Das kann man kritisieren. Andererseits stützen sich die meisten Naturheilmethoden größtenteils auf jahrhundertealte Erfahrungsheilkunde im Gegensatz zur Schulmedizin, bei der sich das Wissen rasant weiterentwickelt. Die Notwendigkeit, am Puls der Zeit zu bleiben, ist für Ärzt*innen und Heilpraktiker*innen – je nach Methodenspektrum – also unterschiedlich.

Beispiel: Umfang der Fortbildung
Meinen Zeitaufwand für solche Zusatzqualifikationen im Nachhinein zu schätzen, ist leider nicht möglich. Den finanziellen Aufwand habe ich ermittelt, damit Sie eine Vorstellung vom Umfang bekommen: Von 2006 bis 2016 habe ich in meine Qualifikation für naturheilkundliche und psychotherapeutische Fortbildungen rund 30.000 Euro investiert.

Einige meiner Fortbildungen habe ich gemeinsam mit Ärzt*innen, Psycholog*innen und/oder Apotheker*innen absolviert, die dafür Fortbildungspunkte erhalten haben.

Wer darf in Deutschland Patient*innen therapieren?

Wer in Deutschland Patient*innen therapieren darf, ist klar geregelt: Ärzt*innen und Heilpraktiker*innen sind dazu im Rahmen der Gesetze und vor allem ihrer fachlichen Qualifikationen befugt. Andere Berufsgruppen dürfen Patient*innen nur dann behandeln, wenn eine ärztliche Verordnung oder das Rezept eines Heilpraktikers vorliegt.

Eine Besonderheit in unserem Berufsstand sind die sogenannten sektoralen Heilpraktiker*innen. Die Zulassung dieser Kolleg*innen bezieht sich ausschließlich auf ihr Fachgebiet, z.B. Heilpraktiker*in für Psychotherapie und Heilpraktiker*in für Physiotherapie.

Akademiker*innen, die Psychologie studiert haben oder sich durch andere Studiengänge wie Soziale Arbeit und therapeutische Zusatzqualifikationen auf ihren Beruf als Therapeut*in vorbereitet haben, sind hochqualifiziert. Eine Zulassung zum Therapieren besitzen sie allerdings noch nicht. Diese muss nach dem Studium oder parallel dazu auf separaten Wegen erlangt werden. Einer dieser Wege ist, die Prüfung als Heilpraktiker*in für Psychotherapie zu bestehen.

Gesundheitscoaches, Gesundheitsberater*innen oder Naturheilkundeberater*innen beraten ihre Klienten zum Zweck der Prophylaxe und allgemeinen Gesunderhaltung. Therapieren dürfen solche Berater*innen oder Coaches nicht, auch nicht wenn sie sich als “zertifiziert” oder “staatlich geprüft” ausweisen. Menschen, die bereits an einer Erkrankungen leiden, sind bei Ärzt*innen und Heilpraktiker*innen richtig aufgehoben.

Was heißt das: “therapieren”?

Therapie ist definiert als Maßnahme, die auf die Linderung oder Heilung von Krankheiten abzielt. Maßnahmen zur Vorbeugung von Krankheiten und zur Gesunderhaltung dürfen auch von anderen Berufsgruppen angewandt werden.

Wer ist befugt, Psychotherapien durchzuführen?

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Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Es gibt drei Berufsgruppen, die in Deutschland Psychotherapie ausüben dürfen:

  • Ärzt*innen mit Zusatzbezeichnung Fachärzt*in für Psychiatrie und Psychotherapie, Fachärzt*in für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie oder Fachärzt*in für Jugendpsychiatrie und Psychotherapie,
  • Psychologische Psychotherapeut*innen nach einem Studium der Psychologie und Zulassung als Therapeut*in,
  • Heilpraktiker*innen für Psychotherapie und Heilpraktiker*innen mit psychotherapeutischer Zusatzqualifikation.

Wo sind die gesetzlichen Grenzen der Heilpraktiker*innen?

Heilpraktiker dürfen grundsätzlich Diagnosen stellen und Therapien ausüben. Voraussetzung ist, dass sie ihr Fachgebiet beherrschen und entsprechende Fortbildungen nachweisen können. Für alle beworbenen Methoden müssen Zertifikate ohne Nachfragen für die Patient*innen zugänglich sein, z.B. als Aushang in der Praxis, als Ordner im Wartezimmer oder ähnliches.

Es bestehen diverse Behandlungsverbote, z,B. für bestimmte Infektionskrankheiten (Kinderkrankheiten und sexuell übertragbare Infektionen) sowie für Erkrankungen, die Medikamente erforderlich machen, welche ein*e Heilpraktiker*in nicht verordnen darf. Alle verschreibungspflichtigen Arzneimittel dürfen in Deutschland nur von Ärzt*innen verordnet werden. Verschreibungspflichtig sind laut Arzneimittelgesetz “Arzneimittel mit besonderen Anwendungsrisiken”, also Medikamente, die möglicherweise erhebliche Nebenwirkungen verursachen. Heilpraktiker*innen dürfen prinzipiell keine Zahnheilkunde ausüben und keine Geburtshilfe leisten. Die Begleitung von schwangeren Frauen vor der Niederkunft ist erlaubt. Ebenso die Betreuung von jungen Müttern nach dem Wochenbett. Wir dürfen weder Leichenschauen durchführen noch zu strafrechtlichen Prozessen Gutachten beisteuern.

Die Grenzen unserer gesetzlichen Kompetenzen werden in den Heilpraktikerprüfungen regelmäßig abgefragt.

Welche historischen Wurzeln haben die Ressentiments zwischen den Berufsgruppen?

Die Spaltung von Ärzteschaft und Heilpraktikerwesen ist historisch bedingt. Es wurzelt in dem Deutschen Heilpraktikergesetz, das aus der Nazi-Zeit (1939) stammt. Erst seit 2005 ist es erlaubt, dass Ärzt*innen und Heilpraktiker*innen in einer Praxis oder Klinik zusammenarbeiten dürfen.

Und wie kann man ihnen wirksam begegnen?

Vorurteilen begegnet man meiner Erfahrung nach am Besten, indem man sie an der Realität misst. Dazu ist es dienlich, wenn man sich und dem anderen die Gelegenheit gibt, von der vorgefassten Meinung abweichende positive Erfahrungen zu sammeln, wenn man sich öffnet für neue Informationen und erweiterte Perspektiven. Ich persönlich setze auf ein wertschätzendes und integratives Miteinander. In meinem Umfeld gibt es zahlreiche Beispiele dafür, dass es gelingen kann:

  • “Meine” Heilpraktikerschule, an der ich auch verschiedentlich als Referentin aktiv war, ist ärztlich geführt. Die Studienleiterin ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, unter den Referent*innen gibt es Heilpraktiker*innen, Ärzt*innen und andere Berufsgruppen. Von ihnen allen habe ich Wertvolles gelernt.
  • Während meiner verschiedenen Hospitationen in Arztpraxen sowie im ärztlichen Bereitschaftsdienst habe ich die Zusammenarbeit zwischen Ärzt*innen und Heilpraktiker*innen als für beide Seiten inspirierend und auch für die Patient*innen als gewinnbringend erlebt.
  • In meiner journalistischen Tätigkeit arbeite ich sowohl mit Ärzt*innen als auch mit Heilpraktiker*innen eng zusammen. Unser Redaktionsteam ist bunt gemischt. Wir Heilpraktiker*innen begegnen dort den Ärzt*innen und Menschen aus anderen Berufen in unseren Rollen als Redakteur*in, Autor*in etc. auf Augenhöhe.
  • Gemeinsam mit dem Arzt Dr. Peter Vill habe ich das Buch “Gesundheit gestalten mit den 4 Elementen” geschrieben und veröffentlicht. Die enge Zusammenarbeit hat uns beide beflügelt und nachhaltig bereichert.
  • Als Patientin war und bin ich sowohl bei Ärzt*innen als auch bei Heilpraktikerinnen in Behandlung. Mit beiden Berufsgruppen habe ich Erfahrungen unterschiedlichster Art gesammelt. Für meinen Genesungsweg und meine Persönlichkeitsentwicklung waren Personen mit beiderlei Qualifikation von großem Nutzen.
  • Unter meinen Patient*innen befinden sich schon seit vielen Jahren neben zahlreichen anderen Berufsständen auch Ärzt*innen und Heilpraktiker*innen. Über Mediziner*innen und Psychotherapeut*innen, die den Weg in meine Praxis finden, freue ich mich immer wieder sehr.
Praxis Lichtblick Heilpraktiker Weinheim PetRa Weiß

Foto: twinlili / pixelio.de

Weitere Infos:
www.gesetze-im-internet.de/heilprg/BJNR002510939.html  (Bundesministrium der Justiz und für Verbraucherschutz)

Nun bin ich gespannt auf Ihre Kommentare: Haben Sie aus diesem Beitrag Neues erfahren? Was hat Sie besonders überrascht? Welchen Irrtum konnte ich aufklären? Erleben auch Sie positive Beispiele der Zusammenarbeit zwischen Heilpraktiker*innen und anderen medizinischen oder psychotherapeutischen Berufen? Bitte lassen Sie uns an Ihren Erfahrungen teilhaben und schreiben Sie einen Kommentar!

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08. Juli 2018 von Petra Weiß
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